Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845367
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TlZlAN UND PORDENONE. 
 
XII. 
Bestandtheile des Holzschnitts, aber die Lage des Bodens und der 
Felsen ist im Wesentlichen diejenige des Fontanzüschen Stiches. 
Wir erwähnten ausser dem Stiche noch einer in Florenz be- 
findlichen Copie von Tizian's Bilde. Es ist eine Skizze auf Lein- 
wand, die in kleinerem Maasstabe des Meisters Composition zum 
Theil wiederholt. Rubens' Zeichnung der vornehmsten Gruppe be- 
findet sich in der Albertina zu Wien und ist vermuthlich nach 
dem Original copiert, das im Nachlasse des grossen flämischen 
Meisters als "eine Pferdegruppe von Tizian" aufgeführt war. "i 
Sie erscheint als Rubenssche Stilübung auf Grund der Umrisse 
des Italiener-s, dennoch vermögen wir in derselben die Wahrheit, 
Genauigkeit und energische Zeichnung Tizian's (leutlich zu unter- 
scheiden. Sie befähigt uns, die meisterliche Verbindung sprechen- 
den Gruppenbaues und individueller Geberdensprache zu würdigen, 
welche in der Figur des herabstürzenden Reiters im linken Vorder- 
grunde besonders glänzend hervortritt und die wuchtige Wirkung 
der Verkürzungen, wie sie auf dem Petrus-Martyr-Bilde erscheint, 
durch schärfere Contourlinien in gesteigertem Maasse (iffenbart. 
Auch hier wieder spricht sich die geistige Verwandtschaft mit 
Michelangelo aus, dessen Kraft und Kühnheit Tintoretto so eifrig 
und doch mit weit geringerem Erfolg anstrebte. Aber noch an- 
dere Vergleiche bieten sich dar. Tizian's Cadore-Schlacht und 
Lionardo's Reiterkampf von Anghiari sind beide und zwar wohl 
mit um übereinstimmender Stileigenschaften willen durch Rubens 
dem Gedächtnisse der Nachwelt erhalten worden. Seltsam, dass 
beide Bruchstücke Waffen und Trachten des römischen Zeitalters 
aufweisen. Bei Tizian erklärt sich diese Wahl theils aus der oben 
angedeuteten Absicht einer historischen Lüge, theils daraus, weil 
ihm das römische Kostüm von seinen Cäsarenbildern her geläufig 
war; bei Lionardo ist sie befremdend, wenn man den eminent  
realistischen Tik seiner sonstigen Auffassungsweise vergleicht und 
seine Kunstvorschriften liest, in denen er gerade die Antike still- 
schweigend aus dem Studienmaterial verdrängt. 
Auf Fontana's Stich tritt uns Tizian's erstaunliche Kunst 
i 
19 Inventar von Rubemä Nachlass in Sainsburfs Papers S. 236.
        

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