Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847332
XVIII. 
DIE "DORNENKRÖNUNG".  581 
ausser Acht gelassen hat, dass die Alten sich im Kreise bestimmter 
auserwählter Typen sowohl der Formbildung als der Geberden 
bewegten. So wird seine Wahrheit zur Drastik, ja sie geht bis 
hart an die Grenzen der Rohheit. Besonders tritt dies hervor in 
den Einzelheiten der Hände, Füsse und Knöchel. Dennoch liegt 
etwas so Grossartiges in dem energischen Leben, das uns vor- 
geführt wird, und in der erbarmungslosen Beobachtung der ver- 
zerrten Gesichtszüge des Heilandes und seiner am Boden sich 
anklammernden Füsse, dass man fast die Frage unterdrückt, wie 
ein Künstler, der die Antike so genau kannte, es über sich ge- 
winnen konnte, dermaassen gegen ihren Geist zu verstossen. Und 
es scheint, als hätte die Leidenschaft des Vorganges den Maler 
selbst angesteckt, denn er hat seine Zeichnung mit kühnem Wurfe 
hingeschrieben und das Fleisch mit überraschender sehwungvoller 
Breite aufgesetzt. Auffallender Weise macht das Bild trotz goldig 
warmen Gesammttones nicht den Eindruck der Manigfaltigkeit 
des Colorits, den wir sonst bei Tizian gewöhnt sind. Dies mag 
entweder von der Beschaffenheit der Holzfläche herrühren, welche 
keine so reiche Abwechslung der Farbentextur und der Tönung 
gestattete, oder der Grund ist darin zu suchen, dass Tizian, der 
eben. mit dem Laurentiusbilde beschäftigt gewesen, in Folge der 
überwiegenden Anwendung von Grau und Schwarz gleichsam 
noch farbenblind war, sodass diese Töne auf seiner Pallette vor- 
herrsehten. Der Eifer, den das Tempo der Ausführung verräth, 
gibt sich auch in den harten Gegensätzen des Lichtes und tiefer 
harziger Schatten zu erkennen, vermöge deren das Bild fast, den 
Anschein eines Monochroms erhält, das nur theilweise zur natür- 
lichen Farbe herausgearbeitet ist. 
Wenn unser Stilgefühl nicht irrt, so gehören in das Jahr 
1558 auch noch einige sehr schöne Porträts. Das in halber 
Lebensgrösse ausgeführte Bildniss des Marc Antonio Rezzonico 
im Hospital zu Mailand ist zwar in Folge ungeschickten Putzens 
und Ausbesserns seiner Ursprünglichkeit beraubta, dagegen bietet 
Bfailand, 
Hospital. 
 
5 Es stellt einen Mann in schwarzem Kleid mit gelben Aermeln bis zur Hüfte 
gesehen innerhalb eines Zimmers stehend dar, welcher mit der Rechten nach irgend 
Etwas deutet, während die Linke den Handschuh haltend an der Hüfte ruht. An
        

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