Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847293
E 
ÄYE 
DER 
.TOD DES LAURENTIUS". 
577 
sodass also die reichste Ausbeute der Eindrücke Roms und selbst- 
verständlich auch der Erinnerungen an Rafael und Michelangelo 
erwartet werden durfte. All' diese Elemente wirkten zusammen 
bei der Entstehung dieses Bildes, das zu den allerbedeutendsten 
Altarsschöpfungen seines Meisters gehört. 
Bis auf den Hüftsehurz völlig entkleidet liegt der Jüngling, 
die Füsse zum Beschauei- gerichtet, auf zwölffussigem eisernen 
Roste ausgestreckt, dessen Langseite auf die rechte Ecke des 
Bildes weist. Links daneben kniet ein Mann tiefgebiickt am 
Boden und stört indem er sich mit der andern Hand auf einen 
Baumzweig stützt, den lodernden Brand. Ein Knecht hinter ihm 
bringt eine Tracht frischer Scheite herbei und saumt beim Anruf 
des Schergen, der vor der Hitze den Kopf zurückwendend den 
Heiligen unter den Achselhöhlen gepackt hat. Von der rechten 
Seite wird der Unglückliche durch einen nur mit Brustharnisch 
gewaifneten Soldaten mittelst einer langen Gabel in die Seite 
gestossen; zwei andere noch weiter zurückstehende sind im Be- 
griff , den Dulder zu schlagen. Seitwärts hält ein Hauptmann, 
umgeben von anderen römischen Kriegern und Feldzeichen, mit 
der Fahne zu Ross und betrachtet das entsetzliche Schauspiel, 
das durch die Enge des Hofes, worin es vor sich geht sowie durch 
den Qualm, der den ganzen Raum erfüllt und die Wuth der 
Henker zu steigern scheint, noch grasslicher gemacht wird. Die 
Gruppe empfängt gespenstische Beleuchtung von unten her durch 
das Rostfeuer, von oben durch die am Sockel einer Statue be- 
festigte Pechfackel, die zugleich den tieferen Hintergrund auf- 
hellt, in welchem ein Tempel mit einer Treppenfiucht und nahende 
Zuschauer kenntlich werden. Antlitz und Glieder des Heiligen 
aber werden noch durch anderes Licht verklärt: der Himmel 
hat sich seinen Seufzern geöffnet und tröstend glitzert durch das 
schwarze Gewölk ein Stern, nach dem er sterbend Blick und 
Hand 
erhebt. 5 
 
5 Venedig, Jesuitenkirche, 1. Altar links, Leinwand, oben rund, Figuren über 
lebensgross, bezeichnet an der Vorderseite des Restes: "TITIANVS VECELIVS 
ZEQVES F." Schon Scannelli, Microoosmo S. 215 klagt (im XVII. Jahrhundert) 
über die Dunkelheit des Bildes, welches aus Cornelio Corfs Stich nicht zu be-
        

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