Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847256
CAP. XVII. ARETIPVS TQD- 573 
 
Regungen, deren er überhaupt fähig war, hatte Aretin, wie es 
scheint, auf den Meister bezogen und dass er mit diesem so lange 
hat leben können, ist vielleicht das beste Zeugniss, was die Ge- 
schichte über ihn aufzutreiben vermag. Für uns versiegt mit 
Aretin's Briefen eine der wichtigsten kunstgesehiehtlichen_Quellen 
dieses Jahrhunderts. 
Pola's oben erwähnter Besuch in Venedig war nicht zufallig. 
Er reiste Ferrante Gonzaga nach, der kürzlich auf seinem Wege 
nach Mailand die Dogenstadt berührt hatte. Wie es scheint war 
er ausdrücklich angewiesen, den Grund gewisser Zeichen von 
Unhöflichkeit aufzuklären, welche Tizian gegen seinen Herrn an 
den Tag gelegt haben sollte. Der Brief, aus dem wir oben eine 
Stelle mitgetheilt haben, war in der Absicht geschrieben, Tizian's 
Benehmen zu entschuldigen. Ferrante beklagte sich, er hätte 
dem Meister seinen Wunsch zu erkennen gegeben, bei ihm zu 
Mittag zu speisen und dieser darauf geflissentlich sein Haus ver- 
lassen, sodass er nach Biri Grande gekommen sei ohne den 
Hauswirth anzutreffen. Tizian hatte jedoch seiner Erklärung zu- 
folge an dem Tage, für welchen der Herzog, wie ihm durch 
Aretin mitgetheilt worden, bei ihm fürlieb nehmen wollte, ver- 
gebens auf die Dienerschaft gewartet, welche ihm angemeldet 
worden sei und war daher in der Meinung, der Besuch sei ver- 
schoben, seinen Geschäften nachgegangen. „Sei dem wie ihm 
wolle", schliesst Pola, „ich schlage vor, Tizian ein halbes Hundert 
Scudi vorauszuzahlen, um die Bilder zu kaufen, die Ew. Excel- 
lenz von diesem unpolierten Mann zu haben wünschenlm 
Möglicher Weise hieng es mit dieser absichtlichen oder un- 
absichtlichen Beleidigung zusammen, dass Tizian, als er im fol- 
genden Sommer seinen Sohn nach Mailand schickte, um die noch 
immer unbezahlte Pension zu erheben, von Neuem Täuschung 
erfuhr. Dies musste für ihn umso niederschlagender sein, als 
ein Brief, der in manchen Stücken unverständlich bleibt, aber 
das Verhältniss des Meisters zu Orazio und zu König Philipp be- 
leuchtet, einen ganz andern Erfolg erwarten liess. 
 
Ferrante 
ßs P0111 
Golllaga! 
oben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.