Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847212
CAP. XVII. DIE MARKUS -BIBLIOTHEK  569 
 
bezeugt am besten der Umstand, dass er nicht nur von der Ver- 
pfiichtung entbunden ward, die Dogenporträts zu malen ohne 
dadurch seines Verhältnisses zum Salzamt verlustig zu gehen, 
sondern dass ihm ausserdem von der venezianischen Regierung 
ein sehr ehrenvoller Auftrag ertheilt wurde. Im Jahre 1553 hatte 
Sansovino den Saal der Markus-Bibliothek vollendetss und kurze 
Zeit darauf war die Decke des schönen Raumes zum Zweck der 
Aufnahme von Freskenschmuck hergerichtet worden. Die Pro- 
kuratoren betrauten Tizian und den Baumeister mit der Wahl 
hierzux geeigneter Künstler unter der Bedingung, dass der Preis 
für jeden der Betheiligten die Summe von 60 Dukaten nicht 
überschreiten dürfe, wogegen jedoch demjenigen, der sich am 
meisten hervorthun werde, als Zeichen besonderer Zufriedenheit 
eine goldene Ehrenkette in Aussicht gestellt wurde. Mit Ueber- 
gehung Tintorettds, mit welchem die akademische Oöterie nicht 
auf freundschaftliehem Fusse stand, forderten Tizian und sein 
College Salviati den Paolo Veronese, Zelotti, Franco, Schiavone 
und andere minder befahigte Maler zur Wettbewerbung auf. Als 
die Arbeiten derselben im Herbst 1556 geprüft wurden, fiel der 
Preis dem Paolo Veronese zu, dessen Nachkommen das goldene 
Kleinod, welches er damit erwarb, lange Jahre aufbewahrt haben? 
Paolo Veronese, dem auf diese Weise das seltene Glück zu 
Theil ward, schon frühzeitig einen hervorragenden Platz unter 
den Venezianern zu gewinnen, befand sich noch gar nicht lange 
in der Dogenstadt. Geboren 1528 und für die Bildhauerkunst 
bestimmt, der auch sein Vater oblag, vertauschte er bald den 
Meissel mit dem Pinsel und übte als wandernder Maler seine 
Kunst in Mantua, Padua und Vicenza. Beim Freskomalen wie 
bei Ausführung grösserer Staffelei-Gemälde scheint er das väter- 
liche Metier nie ganz vergessen zu haben, denn früh und spät 
handhabte er den Pinsel weit mehr wie die Spatula des Bildhauers, 
denn als Werkzeug des Malers. Sein Talent war aber von Natur so 
 
55 s. die bezügliche Inschrift über dem Eingang zum Saale, Abdruck derselben 
bei Sansovino, Ven. descr. S. 311. 
56 Die Belege z. Th. bei Zanetti, Pitt. Von. S. 337, doch vgl. Vasari XI. 138 
und 330 mit Ridolü II. 17 11m1 192. 
Crowe, Tizian n. 37
        

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