Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1847128
älä? 
THÄTIGKEIT FÜR PHILIPP DEN 
CAP. 
XVII. 
Madrid, 
üuseum. 
nicht gar zu sehr durch die Composition der „Dreieinigkeit" für 
den Kaiser in Anspruch genommen worden." 
Mittlerweile w-ar der Adonis in so üblem Zustande in London 
angekommen, dass Philipp bei seinem Anblick in Verzweiflung 
gerieth. Vargas, welchem er mittheilte, dass das Bild durch eine 
schwere querüberlaufende Druckfalte entstellt sei und übermalt 
werden müsse, hatte noch die ungnädige Bemerkung hinzuneh- 
men, es wäre besser, kein Bild abzuschicken, ohne zuvor seine 
genauen Weisungen empfangen zu haben. 39  
Noch- heute zeigt das Bild in Madrid die Spuren der erlit- 
tenen Beschädigung in einer langen wagerechten Furche, die 
den Kopf der Venus von den Schultern trennt. Die Composition 
war, wie wir uns erinnern, nur Variation einer früheren und 
zwar keine der besten ihrer Art. Die Göttin ist allerdings schön, 
aber Adonis scheint nach einem steifen Modell gezeichnet zu sein 
und lässt. dessen Beschaffenheit noch. weit mehr erkennen als 
das farbenreichere Original in Alnwick. Auch die Landschaft ist 
weder so reizvoll im Lineament, noch so poetisch im Ton wie 
sie wohl gewesen sein würde, wäre das ganze Bild von Tizian's 
eigener Hand gemalt. "i" Aber auch abgesehen davon war der 
Gegenstand eben so beliebt und in Folge dessen so oft wieder- 
holt worden, dass Meister und Schüler mit einem gewissen Ueber- 
druss daran malten, wie manche der vorhandenen Repliken satt- 
sam beweisen. Besonders stark tritt diese Wahrnehmung ange- 
 
33 Brief vom lO. September 1554 vollständig bei Ticozzi S. 312. 
39 Der Wortlaut des Briefes vom 6. Deeember 1554 im Anhang N0. LXXXL, 
ein Auszug davon, irrthümlich vom 4. März 1556 datiert, in Madrazds Katalog des 
Madrider Museums S. 247. 
40 Madrid, Museum N0. 455, Leinwand h. 1,86 M., br. 2,07 M., wiowohl als 
Seitenstück zur Danaö gedacht, grüsser als diese. Ein langer Bruch geht quer über 
das Bild gerade durch die Mitte; zwei der Länge nach durchgehende Streifen tiefer 
unten lassen erkennen, dass das Bild gerollt war und durch Unfall breit gedruckt 
worden ist. Die Farbeneomposition ist dieselbe wie auf dem Exemplar in Alnwick 
(S- oben), rechts aus den Wolken blickt eine kleine Göttergestalt herab. Adonis 
hält drei Hunde an der Leine, vorn am Boden steht eine Vase. Gestochen ist es 
von Jul. Sanuto und R. Sadeler, photographiert von Laurent. Vermuthlieh hat 
Orazio an dem Bilde mitgearbeitet, dessen Behandlung Dolce in seinem Briefe an 
Alessandro Contarini über alle Maassen pries (s. Zucchi, Idea. etc., Ausgabe von 
1614, S. 4, bei Cicogna, Iscr. Ven. III. S. 236).
        

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