Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846881
ä 
TIZIAN IN AUGSBURG. CAD. XVI. 
Madrid, 
Museum. 
genau an, so erkennt man, dass das Gesicht schnell, ja flüchtig 
nach dem Leben gemalt ist. Gleich einem Feldherrn, der mitten 
in der Schlacht genau hört und sieht und kurz, aber bestimmt seine 
Befehle gibt, vermochte Tizian sich seinem Objekte gegenüber 
zu concentrieren. Instinktmassig aber sicher gibt er Zug um Zug 
den Ausdruck der Linien Wieder, um dann, des Erfolges gewiss, 
ruhig das Uebrige zu vollenden. Er hat den Kopf Philipp's mit 
schwachen Pigmenten auf sehr dünne glatte Leinwand hingesetzt, 
die blassen Fleischlichter neigen in den Halbtönen zu hellem 
Roth, die dunkleren Schatten von Augen und Nase sind in 
Schwarz angelegt. So haben wir die Bethätigurlg seiner alten 
Coloristenregel „ Schwarz, Roth, Weiss" in reinster Form. Dabei 
ist der Entwurf derart, dass Tizian ihn Niemandem, selbst dem 
Prinzen nicht gezeigt haben wurde; denn er ist nichts anderes 
als eine Aufzeichnung in coloristischer Chiffreschrift, die nur er 
selber richtig lesen konnte, ein Ding, das weder Zeichnung noch 
Malerei im eigentlichen Sinne, dennoch Beides war und fir die 
Wiederholung in Stift und Pinsel das Nöthige ausgab. Das Ge- 
heimniss liegt darin, dass mit so wenigen Strichen die moralische 
und physische Beschaffenheit des Originals vollständig wieder- 
gegeben war. 59 
Diese Skizze ist es, auf welcher alle nachmals von Tizian 
ausgeführten Gala-Porträts beruhen. Zunächst Ward Philipp als 
Krieger in damasciertem Stahl dargestellt, dann im Hof- und Ge- 
sellschaftskleidefl" Auf jeder dieser Wiederholungen veränderten 
sich nur die Hüllen und die Haltung, der Kopf blieb stets der- 
selbe. An das soldatische Porträt in Madrid, Welches das erste 
dieser Reihe war, knüpft sich eine interessante historische Anek- 
dote. Bei dem undankbaren Typus des Gesichtes und der Ge- 
stalt war es eine schwere Aufgabe für den Maler, Aehlllißllkeit 
 
59 Leinwand, Halbfigur, h. 1,14 M., br. 0,95 M., mit der verhültnisslnässig 
neuen Inschrift „PIIILIPVS HISPAN. REX". Die einzigen stark beschädigten 
Stellen sind der dunkle Hintergrund und die Nebendinge. Dieses ist ohne Zweifel 
das Porträt, welches Vasari XIII. 37 und Ridolfi I. 262 meinen. 
a" S. den Brief der. Königin Maria von Ungarn an Renard vom 19. November 
1553 in den Papiers d'6tat de Granvelle IV. S. 150 und vgl. später.
        

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