Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846868
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TlZlAN IN AUGSBURG. 
Bar: 
ÄYE 
nach Augsburg war aber nicht, dass er den Kaiser oder die 
ihn umgebenden Fürsten wiederum porträtieren, geschweige denn, 
dass er dem guten Cranach sitzen sollte. Karls Wünsche und 
Absichten galten in dieser Zeit ausschliesslich der Erhebung 
seines Sohnes zum Nachfolger; diesem Zwecke ordnete sich 
alles unter, darauf war jede Einzelheit berechnet. Wie er selbst 
die Gesprächigkeit und das zuthunliche Wesen des Flamländers 
hatte ablegen und die unnahbare Grandezza des Spaniers an- 
nehmen müssen, so sollte jetzt Philipp sich aus dem steifen 
Castilianer  nicht ohne Widerstreben, wie wir glauben  in 
einen biederen Deutschen verwandeln. Er ritt deutsche Pferde, 
tanzte deutsche Tänze und turnierte mit Kopf und Magen auf 
deutscher Küch- und Kellerbahn. Die Tage aber, da sein 
Ahnherr Philipp von Burgund einen Abt unter den Tisch ge- 
trunken hatte, waren vorüber. Der Prinz, damals 24 Jahre alt, 
war ebenso wenig im Stande, die grobe reichliche Kost des 
Nordens zu vertragen, wie es ihm möglich war, aus sich heraus- 
zugehen und den Jovialcn zu spielen. Er war nicht kräftig und 
und kein Freund von starken körperlichen Bewegungen. Seine 
Brust War eng, seine Beine dünn, die Füsse gross und seltsam 
unbehilflich. Die unter wulstigen Lidern liegenden Augen trugen 
stets den Ausdruck des Missmuthes, als ob die Galle, welche 
seiner Haut den olivenfarbigen Ton gab, sich auch durch diesen 
Kanal einen Ausweg suchen müsse. Das hervorstehende Kinn 
ward nur dürftig durch dünnen rothbraunen Bart bedeckt, der 
die fleischigen Lippen, das Einzige, was in diesem Gesichts roth 
war, besonders hervortreten liess. Denkt man hierzu noch die 
ölige Glätte des Teints und kurzes kastanienbraunes Haar, so hat 
man das Bild Philipp's, der nur einer Maria Tudor gefallen konnte 
und dessen Sinnlichkeit höchstens von der Verachtung gegen 31188 
Gute und Milde in der menschlichen Natur übertroffen wurde. 
Ihn nun zu malen, war der eigentliche Zweck der Berufung Ti- 
zian's. Binnen eines Monates etwa hatte der Meister die Anlage 
fertig, im folgenden Februar scheint dann das im Museum zu 
Madrid bewahrte lebensgrosse Bildniss vollendet worden zu sein 
und im Lauf der nächsten Jahre entstand die lange Reihe von
        

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