Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846842
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TIZIAN IN AUGSBURG. 
CAP. 
XVI. 
Als politischen Neuigkeitskramer hat man den wackeren 
Wittenberger Meister darum aber nicht anzusehen. Er gehörte zu 
den ersten Künstlern, denen Karl zum Porträt sass und zu den 
wenigen Menschen, die nach der Schlacht von Mühlberg sich 
einer guten Behandlung von ihm erfreuten. Im Lager von Witten- 
berg hatte sich der siegreiche Kaiser Cranach's erinnert und 
ihn zu sich befehlen lassen. Er gedachte bei der Audienz eines 
Bildes, das ihm der nunmehr gefangene Kurfürst, Oranach's Herr, 
dereinst in Speyer gegeben, und sagte ihm, er bewahre ein Bildniss 
seiner Hand, das ihn selbst als Knaben darstelle, in der Resi- 
denz zu Mecheln. „Schildert mir"  schloss Karl  „was ich 
damals für ein Bursch gewesen bin!"  „Ew. Majestät"  ant- 
wortete Cranach  "waren acht Jahre alt als der Kaiser Maxi- 
milian Sie bei der Hand nahm und die Huldigung der brabanter 
Staaten empfieng. Es war ein Lehrer bei Ihnen, der als er Sie 
unruhig sah, mir sagte, Eisen oder Stahl würde Ihre Aufmerk- 
samkeit besonders fesseln. Ich bat ihn darauf, einen Speer der- 
art gegen die Wand zu lehnen, dass die Spitze sich gegen Ew. 
Majestät wende, und Ew. Majestät Auge blieb darauf gerichtet 
bis ich das Bild vollendet hatte." Der Kaiser war durch diese 
Geschichte in gute Laune versetzt worden und gestattete dem 
Maler, sieh eine Gnade auszubitten; da, fiel Cranaeh auf seine Knie 
und. flehte um die Huld des Kaisers für seinen ilnglüekliehen 
Fürsten. „An dem gefangenen Kurfürsten liegt mir nicht eben 
sehr viel "  versetzte Karl  „Wenn ich nur den Landgrafen 
von Hessen in meine Gewalt bekommen könnte!" Hierauf ent- 
liess 
Cranaeh 
mit 
einem 
Geschenk.  
Zwei Jahre nach dieser Unterredung forderte der Kurfürst, 
der dem Kaiser wie ein gefesselter Bär überall hin folgen musste, 
Cranach auf, im Sommer mit ihm in Augsburg zusammenzutreifen, 
und pünktlich auf den Tag kam am 23. Juli der alte Meister an 
und nahm in dem von seinem Herrn bezeichneten Hause Wohnung?" 
 
52 s. den gleichzeitigen Bericht des Matthäus Gunderam bei Schuchardt, Cra- 
nach I. S. 186 und Ranke, Deutsche Geschichte IV. S. 523. 
53 Üranachkz Einladung erfolgte am S. Oktober 1551; vgl. auch den Brief des 
Kurfürsten an Brüek (Schuehardt a. a. 0. I. S. 195 und III. S. 81).
        

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