Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846680
ä 
TIZIAN IN AUGSBURG. 
XVT. 
CAP. 
Mühlberg getragen und dass er selbst als Tizian's Schüler gegen- 
wärtig gewesen, während dieser das Porträt auf Befehl Karl's 
des V. entworfen habe. 2' Es gehörte zu denjenigen, welche Maria 
von Ungarn im Jahre 1556 mit nach Spanien nahm und die bei 
der Feuersbrunst im Palaste Pardo untergingen." Ein zweites, zu 
derselben Zeit gemaltes Porträt des Kurfürsten ohne Rüstung, das 
ebenfalls mit nach Spanien kam, ist erhalten geblieben und be- 
Wien, ündet sich in der Wiener Galerie. Der Kurfürst wechselte ver- 
Behedom schiedentlich mit dem Schnitt seines Bartes. Auf den früheren 
Porträts von Cranach und seiner Schule ist er kurz geschoren 
und am Kinn zu einem Knebel gebürstet, sodass die ohnehin 
schon durch ihre Breite merkwürdige Physignomie noch plum- 
pere Form erhielt. Beinahe alle Fürsten, welche die Augsbur- 
gische Confession unterzeichneten, trugen den Bart auf diese 
Weise, die eben so charakteristisch ist wie das gestutzte Haar 
bei den Puritanern in England. Nach der Niederlage des Schmal- 
kaldischen Bundes kam der durch seine Lange und spitze Form 
merkwürdige spanische Bart in die Mode und Johann Friedrich 
fand es rathsam, in seiner Gefangenschaft sich derselben anzu- 
bequemen; wahrscheinlich wollte er wenigstens in Toilettenange- 
legenheiten nachgibig sein, da er es in religiösen nicht konnte. 
In Folge dessen gibt ihn Tizian mit dem spitzen und nicht 
mit dem gedrehten Bart. Gleich den meisten dieser Arbeiten 
ist das Wiener Bild in erstem Wurf gemalt, Kopf und Hände 
prächtig dem Leben abgesehen, der Anzug aber, obgleich mit 
Sorgfalt behandelt, doch wahrscheinlich nach dem Gedächtniss 
ausgeführt. Wären die Zeit und die Hände der Restauratoren 
schonender damit umgegangen, so würden wir ein Meisterwerk 
mehr besitzen. Bei dem gegenwärtigen Zustande des Bildes sieht 
man nur, dass der Kurfürst dazu gesessen und gut gßSesSen 
hat. Tizian hat das apoplektische Aussehen, die imterlallfenen 
Augen und den starren Blick wiedergegeben, welche vollblütigen 
Menschen von solchem Temperamente eigen zu sein pflegen. Am 
 
2' Oesare Vecelli, degli abiti antichi e moderni, Venedig 1590, S. 61. 
22 s. das Inventar in der Revue universelle des arts III. S. 1401 „El retrato 
Duque de Saxonia cuando fui: prcso armado y en el rostro una cuchillada." 
del
        

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