Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846651
CAP. 
XVI. 
REITERBILD KARL'S DES V. 
sie 
17 
dass 
sind. 
bei 
der Feuersbrunst 
im J ahre 
1608 
zu Grunde 
gßgangen 
Die einzigen noch vorhandenen Bildnisse Tizian's aus der 
Augsburger Zeit sind: Karl der V. auf der Wahlstatt von Mühl- 
berg; Johann Friedrich der Sanftmüthige, nach der Heilung seiner 
Wunde in Augsburg gemalt; der Kanzler Granvella und der 
Kardinal Madruzzi. Das Kaiser-Porträt gelangte wohlbehalten 
nach Spanien, ward auch später bei der Feuersbrunst im Pardo- 
Schloss gerettet, kam aber doch nicht ohne bedeutende Beschä- 
digungen davon, und hängt jetzt als Ruine in der Galerie zu 
Madrid. In jeder Hinsicht übereinstimmend mit der Beschreibung 
zeitgenössischer Historiker stellt es den Kaiser  in Lebens- 
grösse  auf braunem Schlachtrosse dar, gegen die Elbe hin- 
sprengend, die das trübe Licht des grauen Himmels zurückspie- 
gelt, das langsam aus dem Morgennebel des verhängnissvollen 
Schlachttags aufging. Zur Linken bilden den Hintergrund hohe 
dunkle Waldbäunre. Das hellste Licht fallt auf das Antlitz Karl's 
und wird durch den weissen Kragen, {die Halsbinde und die po- 
licrte Oberfläche der Rüstung aufgefangen. Das schwarze Auge, 
die gebogene Nase, die bleiehe Haut, der dunkle Schnurr- und 
kurze graue Kinnbart sind treu wiedergegeben, und die Züge, 
wenn auch schlaff und bleich, zeigen doch noch das momentane 
Aufflackern des Feuers, welches damals den abgezehrten Körper 
belebte. Dass Karl keineswegs durch Grösse und Majestät der 
Gestalt ausgezeichnet war, springt in die Augen, auch hat Tizian 
keinen Versuch gemacht, durch Fälschung der Natur zu schmei- 
cheln, wohl aber ist der Sitz des Kaisers, ohne stramm zu sein, 
natürlich und gut und seine Bewegung zweckmässig. Ebenso Wahr 
ist das Pferd und wir sehen über die Fehler in der Zeichnung 
der Schenkel und Beine hinweg, um mit Vergnügen bei dem 
Charakter und dem Ausdruck in den Physiognomien von Ross 
und Reiter zu verweilen. ß 
Madrid, 
Museum. 
 Revue universelle III. S. 145. 
19 Madrid, Museum No. 457, Leinwand h. 3,32 M., br. 2,79 M. Es steht im 
Inventar der Maria von Ungarn (Revue universelle III. S. 139) und in zahlreichen 
spanischen Katalogen. Die Feuersbrunst vom Jahre 1608 beschädigte den unteren
        

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