Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846572
XVI. 
KARL DER v. BEI MÜHLBERG. 
507 
sehen? S0 wenig Thatsachliches auch diesen gelegentlichen Be- 
merkungen heute noch gegenüber steht, so geben sie immerhin 
Einblick in Tizian's erstaunliche Fruchtbarkeit. 
Als der Kaiser im März des Jahres 1547, ohnc auf den Rath 
der Aerzte zu hören und ohne auf Gicht und Asthma zu achten, 
gen Sachsen ritt, um auf seine Feinde zu stossen, betrachteten 
ihn die Protestanten als nicht viel mehr, denn als eine Mumie. 
In dem elenden Körper war aber „ein Will' und ein Weg"; zur 
Rache aufgestachelt und im Bewusstsein der Ueberlegenheit sprang 
plötzlich ein frischer Quell jugendlichen Lebens in ihm auf. Am 
Tage von Mühlberg ritt er in seiner goldverzierten Rüstung aus 
poliertem Stahl ins Feld, Arme und Beine im Ketten-Panzer, die 
Hände mit Stahlhandschuhen bedeckt, einen Helm mit rother 
Feder  aber ohne Visir  auf dem Kopfe. Die rothe Feld- 
binde mit goldenen Streifen (die Farben des Hauses Burgund) 
hing ihm über die Schultern und mit der rechten Hand schwang 
er den Speer. Die kastanienbraune Stute, halb unter der gestreiften 
Schabracke verborgen, trug stählernes Kopfstiick mit rother Feder, 
ähnlich der ihres Herrn. In dieser Kriegsausrüstung durchritt Karl 
eine gefährliche Furth der Elbe; sein bleiches farbloses Gesicht, 
aus dem die gebogene Nase, der grosse Mund und das vorstehende 
Kinn hervorsprangen, war Wenn möglich noch hohler, magerer 
und bleicher als sonst. Eine Veränderung trat aber noch mehr 
hervor: das rothe Haar früherer Tage war in gemischtes Grau 
übergegangen. w 
9 Brief G. B. Cattanfs aus Speyer, 30. August 1548 an Tizian in Augsburg 
bei Gaye, Carteggio II. S. 372. Sandrart sagt in seiner Aeademia artis pictoriae: 
"Augustac Vindelicorum    pro familia Peronnaeoruhi, qui mercatores erant, opus 
elaborabat magnum in quo scenographice quinquo arehitecturae ordines exhihu- 
erat." Hat die Familie. Pcronnaeorum etwas mit Cattanfs Pirrovano zu thun? Mit; 
der Stelle bei Sandrart muss auch die folgende bei Vasari XIII. 50 verglichen 
werden, die sich auf Paris Bordone bezieht: "In Augusta fece per i Prineri un 
quadrone grande dove in prospettiva mise tutti i cinque ordini Garchitettura." 
Dieses Bild Bordonds befindet sich in der Wiener Galerie. Hat Tizian etwas Aehn- 
liches gemalt? 
1" vgl. die Schilderung der Persönlichkeit Karls in dem Gesandtschaftsberichte 
Mocenigds bei F. B. v. Buchholtz, Geschichte der Regierung Ferdinands des 1., 
Wien 1835, VI. 3498-501. 
33'
        

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