Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845283
382 TIZIAN UND PORDENONE. CAP. XII. 
suchen, weshalb sie jetzt weggelassen wurde?  Der Doge Gritti 
war stets als Anhänger Frankreichs bekannt gewesen. Wahr- 
scheinlich bestimmte er Tizian, ein Bild zu malen, das zwar die 
Einnahme von Spoleto vorstellen sollte, aber in Wirklichkeit ein 
von den Venezianer-n gegen den Kaiser gewonnenes Treffen schil- 
dere, und Tizian wählte vermuthlich die Schlacht von Oadore um 
deswillen, weil er sie vermöge seiner Ortskenntniss besser als 
jede andere malen konnte. Nun wäre es aber unklug gewesen, 
die Parteiganger des Kaisers, der damals die Geschicke Italiens 
in Händen hatte, gerade in einem Augenblicke zu verletzen, da 
im Stillen der Abfall geplant wurde. Deswegen versteckte der 
Künstler, wie es scheint, die wahre Meinung, indem er neben dem 
Reichsbanner die Löwen der Cornari anstatt des geflügelten Markus- 
thieres auf den Fahnen kennzeichnete, andrerseits die Truppen 
Maximilians in römisches Kostüm steckte und sich jeder kennt- 
liehen Auszeichnung der venezianischen Soldateska enthielt. Den 
Hintergrund aber, welcher die Festungswerke Spoletds hatte zeigen 
müssen, bildeten in Wahrheit die Felsen von Cadore. Auf diese 
Weise war dem historischen Programm Genüge geschehen, aber 
für die Eingeweihten blieb das Bild dennoch eine Verherrlichung 
der Republik. 
Unter der Voraussetzung, dass Alles sich so verhielt, ist es 
ergötzlich, die Verschweigungen und Bemäntelungen zu verfolgen, 
zu denen das Bild Anlass gab. Ridolii, der keinerlei Rücksichten 
mehr zu nehmen hatte, berichtet einfach, Tizian habe auf Befehl 
der Signorie die Schlacht bei Cadore dargestellt"; die den Er- 
eignissen zeitlich näher stehenden Schriftsteller waren vorsichtiger. 
Die venezianischen Chroniken erwähnen nur „die Land-Schlacht" 
schlechthin. Dolce sagt auch nur „die Schlachtm und Sansovino 
stellt sich, als ob er glaubte, dass Tizian die Einnahme Spoletds 
habe malen wollen? Vasari, durch den Spott der Venezianer irre 
10 Die Frage des politischen Farbenwechsels war in diesem Jahre Gegenstand 
lebhafter Erörterungen im venezianischen Senat; vergl. die Rede des Marcantonio 
001'113") Zu Gunsten des Kaisers bei Paruta, Storia Veneta tom. III. der Storici 
Veneti 1118, lib.VIII. s. 669. 
11 Ridolfi, Marav. I. S. 214.- 12 Lorenzi a. a. O. S. 219, Dolce S. 27 und 67. 
13 Sansovino, Ven. descr. S. 327.
        

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