Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846535
CAP. XVI. EINLADUNG ZUM KAISER 1547. 
zwischen küsse ich die Hände Ew. Eminenz als Ew. Herrlichkeit 
beständiger Diener Tizian. f" 
Es war natürlich, dass man Tizian einerseits durch das Ver- 
sprechen eines Benefiziums und andrerseits durch die Aussicht 
auf die Sinecure des Piombo nach Rom zu locken suchte, da 
voraussichtlich von Seiten des Kaisers, so lange er im Kriege 
war, für ihn nichts zu erwarten stand. Dennoch ist begreiflich, 
wenn der Meister sich durch die Aufforderung, an den Hof nach 
Augsburg zu kommen, geschmeichelt fühlte, umso mehr als sie 
in einem Augenblick an ihn erging, wo alle Welt sich vor Karl 
in den Staub warf. Keinesfalls mochte er von den Farnesen eine 
so königliche Behandlung gewärtigen, wie sie Karl ihm zu Theil 
werden liess. Was sie ihm als Lockspeise vorhielten, war ent- 
fernt und bedingt. Der Kaiser dagegen, der die mächtige An- 
ziehungskraft des Goldes aus Erfahrung kannte, schickteibaares 
Geld und eine Reiseausrüstung --wie hatte der Künstler da 
widerstehen sollen! So geschickt übrigens sein Entschuldigungs- 
brief an den Kardinal abgefasst war, er hatte doch vielleicht den 
Zorn desselben erregt, Wenn er ihm unmittelbar zugegangen wäre. 
Dies erwlagend schloss ihn Tizian einem Schreiben an den Herzog 
von Urbino bei, worin er denselben bat, ihn mit freundlichem 
Fürwort an seine Adresse zu befördern. Möglicher Weise fügte 
er auch noch ein Bild  vielleicht '„Venus und Cupido" aus den 
Uffizien  bei. Der Herzog wenigstens willfahrte dem Wunsch: 
„Ehrwürdiger Hcrr und hochgeehrter Schwager!"  redet 
er zum Kardinal  „Ich liebe Messer Tiziano sehr ob seiner sel- 
tenen Eigenschaften und ebenso, weil er besondere Ansprüche auf 
meine Freundschaft besitzt. In dem Beischluss theilt er Ew. Herr- 
lichkeit seine Wünsche und Anliegen mit, und ich bitte Sie, über- 
zeugt zu sein, dass ich die in Rede stehende Angelegenheit von 
ganzem Herzen unterstütze und ich für das, was an Tizian ge- 
schieht, ebenso dankbar bin, als ob es mir selbst erwiesen würde. 
 
 
' Der Brief, aus Venedig 24. Dccember 1547 in Ronchinfs Relazioni etc. 
S. 9-10, vgl. damit den Brief Aretin's an Guidubaldo von demselben Monat in 
den Lettere di M. P. Aretino IV. S. 131, 132, und den Aretin's an Tizian vom 
gleichen Datum, ebenda S. 133.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.