Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846492
CAP. 
 ÜFÄM 0'. 
IN MADRID. 
499 
sehr kunstreich und emplindungsvoll, aber doch von einem jün- 
geren Venezianer behandelte Dresdener Gemälde bezeichnet wer- 
den, welches gleich dem Exemplar im Haag ursprünglich die 
Benennung "Philipp der II. und seine Geliebte" trug. 53 
Aber es waren nicht blos Bilder profanen Inhalts, Welche Ti- 
zian an das kaiserliche Hoflager nach Augsburg niitnahm. Für 
den Kaiser selbst musste noch in (anderer Richtung gesorgt wer- 
den. Zu diesem Ende malte er jetzt ein Ecce-homo (Christus 
mit der Dornenkrone) fertig, und zwar auf Schiefer, wie es Se- 
bastian del Piombo zuweilen gethan, was ihn nöthigte, dem Bilde 
eine ähnliche Vollendung zu geben wie dem „ Christus mit dem 
Zinsgroschen  
Das Ecce-homo hängt jetzt im Museum zu Madrid. Der 
Meister, der sich in seiner Jugend anheischig gemacht hatte, die 
feine Durchführung eines Dürer mit der Breite des venezianischen 
Stils zu verbinden, war seitdem ein Anderer geworden. Der jetzt 
von ihm geschaffene Typus ist in seiner Weise ebenso vortreff- 
lich wie irgend etwas, das er vorher entworfen hatte; naturtreu 
und ausdrucksvoll in seiner Trauer ermangelt er trotz breiter Mo- 
dellierung dennoch weder der Weichheit noch des Schmelzes. Die 
Abstufungen der Lichter und I-Ialbtinten sind so zart, die Farben- 
gebung so reich, Licht und Schatten so wohlerwogen wie nur je. 
Allein die Form des Gesichts hat nicht den idealen Zug, den 
man erwartet und insofern steht der Christus von Madrid dem 
Madrid, 
Museum. 
Dresdener 
Christus 
unverkennbar 
nach. 55 
geschlagene Notenbücher. Ein Amorino hekräinzt ihr Haupt, ihr zu Füssen sitzt 
auf dem Lager ein vom Rücken gesehener Mann, der die Laute spielt; Hintergrund 
Landschaft, von Tizian." Auch hier haben wir eine Mischung des Madrider und 
des Florentincr Bildes, die Formen der Venus sind schwer und derb, die Zeichnung 
fehlerhaft; der Maler ist vermuthlich ein Nachahmer Tizisufs aus der ersten Hälfte 
des XVII. Jahrhunderts. Auf dem Notenbuche steht "Tenor". Die ganze Ialläehe 
ist stark mitgenommen, der rothe Vorhang hinter der Venus ganz übermalt, Amor 
an vielen Stellen naehgebessert und das Ganze durch alten Firniss bedeckt. A. Hume, 
Life of Titian S. 96 erwähnt eine Copie des Exemplares von Cambridge in Holkham. 
54 Dresden, Galerie N0. 225, Leinwand h. 1,38 M., br. 2,04 M., im Motiv 
dem vorigen ähnlich, weich und elegant behandelt, offenbar von einem späteren 
Venezianer, der an die Manier des Andrea Oelesti erinnert.  
55 Madrid, Museo dcl Prado N0. 467, Schiefer h. 0,69 M., br. 0,56 M. Das 
Bild ist ohne Zweifel dasjenige, welches Tizian nach Augsburg brachte; es ent-
        

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