Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846384
488 TlZlAN'S TOCHTER. 
CAP. 
1553 beigelegt, doch das Gemälde nachher nicht geändert. Es 
legt trotz etlicher Schaden noch Zeugniss ab von dem Anstoss, 
den Tizian's Kunst durch den Eindruck der fiorentinischen und 
w römischen Schulen empfangen hatte, ja es enthält sogar eine 
ausdrückliche Huldigung an Rafael. 
tlle, Eine massige Wolke, fast einer Windhose ahnelnd, dient der 
 Jungfrau mit dem Kinde als Thron; Beide schauen herab zur 
Erde, umgeben von Cherubim, die in glänzendem Gloriennebel 
schwimmen. Einer der Engel stützt herabgebückt mit seiner Hand 
den Fuss Marias, ein zweiter neigt sich um Petrus zu bezeichnen. 
Dieser, ein graubärtiger aber fester Greis, steht rechts im Vorder- 
grunde und halt die Schlüssel wie eine Weihgabe mit hoch 
erhobener Hand der Himmelskönigin dar, zu der er aufschaut; 
er trägt piirsichfarbenen Rock und zimmetbraunen Mantel; ihm 
gegenüber Andreas in oliveng-rünen Anzug und rothen Mantel 
gekleidet, mit beiden Händen den schweren Stamm des langen 
Kreuzes umklammernd, welches gegen den Gebrauch rechtwinklig 
gebildet ist, wendet er den Blick voll ernster Würde dem Be- 
schauer zu. In mittlerer Entfernung zwischen Beiden dehnt sich 
ein See, auf welchem Christus im Kahne sichtbar ist, wie er 
Petrus und Andreas beruft; weiterhin erstreckt sich dunkles Ge- 
Wässer, hinter welchem in frei und meisterlich gezogenen Linien 
ein Gebirgsstock zum bewölkten Himmel aufragt. Der Luft- 
zug treibt über den See und beflügelt etliche Segel. Das Licht 
ergiesst sich von der Jungfrau aus und überhaucht die nächste 
Wolkenschicht mit zarter Röthe, während der Erdengrund im 
Dämmer liegtf"  Die Gestalten, kräftig und gesund wie Tizian 
sie lange nicht geschaffen, sind mit grossartigem Wurf in franker, 
entschlossener Geberde gedacht und mit vollendeter Leichtigkeit 
hingestellt, die Gewänder monumental angeordnet, die Beleuch- 
40 Serravalle, Dom, Hochaltar des heiligen Andreas, Leinwand, oben rund, 
hoch 14 Fuss, breit 7 Fuss, die Figuren lebensgross. Vorn auf einem Stein be- 
zeichnet ,.T1TIAN". Das Bild ist geputzt, aus der Haltung gebracht und dann 
theilweise aufgebessert. Dadurch hat das Kleid der Jungfrau die ursprüngliche 
Farbe verloren und zeigt an einigen Stellen frische Farbenklexe; am meisten hat 
der Lichtsehein der Engelglorie gelitten. Ueber die Verhandlungen in Betreff des 
Bildes s. Anhang No. LXIV. und LXV.
        

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