Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846274
CAP. 
TIZIANS HEIMKEHR 1546. 
477 
Pier Luigi sich zur Zeit der Anwesenheit Tizian's in Rom nicht f! 
dort befunden hat, so wurde das Bild entweder nach einem in 
Piacenza von ihm angefertigten Entwürfe oder nach einer Skizze 
gemacht, welche dem Meister nachgeschickt worden ist. 
Das Charakteristische dieser Erscheinung liegt in der Mager- Neapel. 
keit. Der Herzog steht barhäuptig in der Rüstung, den Dolch in KB532559, 
der einen, den Komrnandostab in der andern Hand, neben einem 
behelmten Soldaten, der die Standarte von Parma trägt. Man 
sieht, es sind dieselben Gesichtszüge, welche Tizian drei Jahre 
früher in Bologna gemalt hatte, aber Sorge und Krankheit haben 
das Fleisch der Wangen bis auf die Knochen abgezehrt, Schlafe 
und Augen sind eingefallen, der Blick ist ohne Feuer, die Lippe 
farblos. Ueberdies ist die Oberfläche, wo sie nicht durch neue  
Uebermalung bedeckt oder durch Abblätterung vernichtet worden, 
zu rauher Trockenheit eingeschrumpftfä Dem natürlichen Tode, 
welcher dieser Jarnmergestalt auf dem Gesicht geschrieben steht, 
eilte menschliche Bosheit noch voraus: im Jahre 1547 fiel Pier 
Luigi unter den Dolchen der von Karl dem V. und seinem Ge- 
neral Ferrante Gonzaga gedungenen Mörder. 
Bei seiner Ankunft in Venedig fand Tizian die Dinge nicht 
nennenswerth verändert. Aretin hielt wie gewöhnlich olfenes 
Haus am grossen Kanal, Sansovino hatte sich von seinen Un- 
glücksfallen erholt und arbeitete an einer neuen Decke für den 
Bibliothekssaal, der päpstliche Legat Giovanni della Oasa, ein 
genauer Bekannter Farnese's und alter Freund Bembo's und der 
Quirini, hiess den Meister in seinem Palaste willkommen, und 
hier wurde Tizian auch veranlasst, den Grafen Cesare Boschetti 
und Galeazzo Paleotti, Verwandte des Abtes von Nonantola, auf- 
zusuchen. Die Eindrücke, die er dort bezüglich der Hoffnungen 
auf die Pfründe empüng, waren so erfreulich, dass er in einem 
Schreiben an den Kardinal Farnese vom 19. Juni 1546 aussprach, 
„es erübrige nur noch, nachdem die Sache in Zug gekommen, 
 
15 Neapel, Museo Nazionale N0. 33, Leinwand, lebensgrosses Hüftbild, im 
farnesischen Inventar von 1680 als Original von Tizian aufgeführt (s. Campari, 
Cat. S. 233); die Fahne in der Hand des Soldaten ist röthlich gelb, der Hinter- 
grund dunkelbraun.
        

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