Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846267
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TIZIAN'S TOCHTER. 
OAP. 
die Zeit; die Frucht wurde nicht reif und Tizian sah sich ge- 
nöthigt, den päpstlichen Hof zu verlassen, ohne die erwartete 
Ernte eingebracht zu haben." 
Während seiner Mussestunden hatte er mehrere Porträts für 
den Herzog von Urbino vollendet. w Diese schickte er ohne Zweifel 
direkt nach ihrem Bestimmungsorte ab, da sein eigener Weg ihn 
über Florenz führte, wo er die Meisterwerke toskanischer Kunst 
genauer kennen zu lernen wünschte. Am 12. Juni 1546 schrieb 
Aretin an den Herzog Cosimo, um ihn zu bedeuten, er möge, 
wofern Tizian ihn besuchte, wenigstens sagen, dass er sein ihm 
gewidmetes Bildniss gesehen habe." Der Herzog liess sich kaum 
herbei, darauf zu antworten. Er empfing Tizian gegen Mitte Juni 
in Poggio a Caiano, lehnte es aber ab, ihm zu sitzen, vielleicht 
eingedenk der Ansprüche florentinischer Künstler, möglicher Weise 
auch, weil er keine Neigung fühlte einen Stil zu bewundern, 
der so sehr von dem eines Pontormo, Bronzino oder Allori ab- 
stach. "z Tizian tröstete sich über den Misserfolg durch Besich- 
tigung der Kirchen und Paläste von Florenz. ß Nach kurzem 
Verweilen setzte er seine Reise fort und hat auf dem Wege viel- 
leicht Piacenza berührt, wo Pier Luigi Farnese vergebliche An- 
strengungen machte, seinen schwankenden Thron zu befestigen. 
Er konnte diesen so wenig wie sein Leben sichern. Schon 
geraume Zeit vor seinem gewaltsamen Tode war er nach zeit- 
genössischen Berichten derart durch Krankheit abgemagert, dass 
er einer wandelnden Leiche glich. " In diesem siechen Zustande 
finden wir ihn auf einem angeblich Tizian'schen Bilde in Neapel 
dargestellt, welches trotz seiner Beschädigungen durch Alter und 
Fahrlässigkeit doch das Ansehen hat, als gehöre es dem grossen 
Namen, den es trägt, wirklich an. Wenn dies, dann lassen sich 
nur zwei Möglichkeiten der Entstehung desselben denken. Da 
 
9 Vasari XIII. 36 und Ridolfi I. S. 233 nehmen au, Tizian habe damals ein 
Benefiz erlangt; Letzterer spricht sogar von einem Bischofssitz, was jedoch Irr- 
thum ist. 
w Vasari XIII. 36.  H Gaye, Cart. II. S- 351- 
" Vasari XIII. 36.  13 s. ebenda- 
" Aifö, a. a. O. S. 193.
        

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