Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845251
CAP. 
XII. 
PORDENONE 
DOGENPALAST. 
379 
wurdef S0 gürtete er denn seine Lenden, den Löwen in der 
Höhle aufzusuchen, indem er seinen Wohnsitz nach Venedig ver- 
legte, das überdies wohl angethan war, einen unternehmenden 
Künstler zu locken. 
Ein verhältnissmässig ruhiger Zeitabschnitt hatte es gestattet, 
dass diejenigen Staatseinküntte, welche die venezianische Regie- 
rung zur Erhaltung der öffentlichen Gebäude verwenden durfte, 
zum Kapital geschlagen werden konnten. Wie aus einem Ver- 
merk vom December 1533 hervorgeht, war z. B. die für bauliche 
Pilege des Regierungspalastes bei Seite gelegte Summe bereits 
auf 7000 Dukaten angewachsen, obschon zwei Jahre zuvor 1700 
Dukaten für Wiederherstellung des Saales der Bibliothek  der 
nachmaligen Sala dello Scrutinio oder Sala d'Oro  aufgewendet 
worden waren? Bei der Umschau nach geeigneten künstlerischen 
Kräften zur Ausschmückung dieses rechtwinklig an den Saal des 
Grossen Rathes anstossenden prächtigen Raumes schwebte noch 
die Wahl, ob "man die leichte Hand Bonitacids oder Paris Bor- 
done's verwenden oder den unsicheren Verheissungen Tizian's ver- 
trauen sollte, als im entscheidenden Augenblick Pordenone er- 
schien, dessen Dienste denn auch sofort angenommen wurden. Die 
Bibliothek war durch Serlio und Sansovino unter der Oberaufsicht 
Antonio Scarpagninfs, Erbauers des Fondaco de' Tedeschi, wieder 
hergestellt worden? Diese Meister gehörten sammtlich zu Tizian's 
Freunden und demgemäss vermuthlich zu den Gegnern Porden0ne's, 
dennoch mussten sie es geschehen lassen, dass dieser den Vorzug 
erhielt. Als Scarpagnini angewiesen wurde, zehn Dukaten zur 
Bestreitung der Vorbereitungsarbeiten für den Deckenschmuck an 
Pordenone zu zahlen, weigerte er sich, Folge zu leisten. Der 
Rath der Zehn ehrte zwar das Gefühl, das diesem Verhalten zu 
Grunde lag, liess sich jedoch dadurch an dem Mann seiner Wahl 
nicht irre machenf Im März 1537 war die Bibliothek so weit 
1 s. die Biographie Pordenonds in der Verfasser Geschichte der italienischen 
Malerei, deutsch von Jordan, Band VI. 
2 vgl. Lorenzi a. a. O. S. 204 und 213. 
3 s. Senlids eigene Angabe in dessen „Regole generali di architettura", Venedig 
1537, fo1., lib. 4, cap. XI. f. LXX. und vgl. damit Lorenzi a. a. 0. S. 194 und 213. 
4 Das Genauere darüber bei Lorenzi S. 213. 
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