Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846239
CAP. 
XIV. 
FARNESISCHE PORTRÄTS. 
473 
unwirrsch über die Ankunft Ottavids, dem er die Bosheit gegen 
den Vater vorhält, der Kardinal spielt nur den stummen Zeugen. 
Vielleicht hatte Tizian solch' einen Auftritt einmal erlebt, aber 
die Treue, womit er ihn schilderte, mochte Grund sein, dass sein 
Bild kassiert wurde. Der Zustand aber, in dem es stecken blieb, 
gibt uns eine willkommene Gelegenheit, dem Meister auf die Finger 
zu sehen. Wer so malte, konnte die Wette mit Michelangelo oder 
mit Sebastian del Piombo ruhig an sich kommen lassen, denn in 
ihm hatte die venezianische Kunst ihren grossen Stil erreicht. 
Zuerst mit breitem Pinsel ganz dünn angelegt sind die Flächen 
anscheinend mit zunehmend farbigeren Schichten von gleicher 
Art überarbeitet und auf diese Weise bis aufs Feinste durchmo- 
delliert; die Schatten sind sodann mit derselben Energie ein- 
getragen, wie sie bei Michelangelds Figuren iiockenweise her- 
ausgeschält wurden. Alles Nebensächliche ist mit ausgeprägtem 
Lokalton angegeben, um sodann nach Befinden der Lasur oder 
grösserer und geringerer Deckung unterworfen und gehörig ge- 
stimmt zu werden. Die Formen, in den Liehtpartien mit Weiss, 
im Dunkel mit tiefem Tone vorgezeichnet, erhielten Einheit und Zu- 
sammenschluss vermittelst durchsichtiger Schichten; glatte Massen 
hohen Lichtes und kräftiger Pinselnaehdruck machten sehliesslich 
die Wirkung gar. 
Crowe, 
Tizian II.
        

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