Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846219
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XIV. 
FARNEälSCjä 
rüMlLlENd 
PORTRÄTS. 
471 
In dem Palaste, in Welchem Tizian an seiner Danae malte, 
wurden zur selben Zeit arge dynastische Intriguen gesponnen. 
Der Besteller des Bildes erwartete selbst einen goldenen Regen 
von Würden, nach denen er leidenschaftlich geizte. Es erscheint 
fast als Naturgesetz, dass die Glieder eines ehrsüchtigen und in 
seinen Mitteln so unwählerischen Hauses, wie das farnesische war, 
sich unter einander beneideten. Im August 1545 war Pier Luigi 
zum Herzog von Parma und Piacenza erhoben worden, ein Er- 
folg, den Ottavio mit seinem Weibe und ihr Vater der Kaiser um 
so unerträglicher fanden, weil Karl der V. gerade seinen Gesandten 
in Rom, Andelot, dringend angewiesen hatte, auf den Ansprüchen 
seines Schwiegersohnes zu bestehen. Paul aber hatte die Eifer- 
sucht des Sohnes gegen den Vater (Ottavids gegen Pier Liligi) 
gebändigt und war mit dem neugebackenen Herzog überzeugt, 
der Kaiser werde die fertige Thatsache eingedenk der Gefahren 
anerkennen, die ein Bruch mit dem Papste eben jetzt beim Be- 
ginn des Concils und am Vorabend des Krieges mit den Pro- 
testanten für ihn hatte. Die Farnesen ahnten nicht, wie grimmig 
sich der Kaiser für den Streich, den sie ihm spielten, rächen 
werde. Vorläufig ignorierte er den Herzogstitel Pier Luigi's, schien 
zu vergessen, dass Ottavio die Würde seines Vaters überkommen 
und nannte jenen in öffentlichen Schriftstücken höhnend den „Her- 
zog von. Castro  
In dem Gruppenporträt des Papstes mit Kardinal Alessandro Neapel, 
und Ottavio scheint mit oder ohne Absicht Tizian's etwas von Nääfffh, 
der Verstimmung nachzuklingen, welche damals unter den Fa- 
miliengliedern herrschte: Paul sitzt in seinem Armstuhl mit der 
eingesunkenen Haltung, wie sie bei einem Greise von achtzig 
Jahren, auf dem Sorgen und Verdruss lasten, nicht anders er- 
wartet werden kann. Die rothe Kappe ist tief in die Stirn ge- 
drückt, sodass sie die Brauen berührt, der Rock hoch zugeknöpft, 
das gleich ihnen mit Pelz verbrämte weissseidene Uebergewand 
fallt bis auf die rothen Pantolfeln herab. Auf dem rothbedeck- 
ten Tische, worauf der Papst die Rechte legt, sieht man das 
ominöse Stundenglas. Hinter dem Stuhle, mit einer Hand auf 
der Lehne desselben, steht Alessandro in Kardinalstracht und
        

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