Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846183
468 TIZIAN UND DIE FARNESEN. 
XIV. 
auch ein Porträt der Margarethe von Oestreieh mit Kopfsehleier 
und doppeltem Perlenhalsband", eins der Clelia Farnese, der 
natürlichen Tochter des Kardinals, sodann eine von Ottalvio be- 
stellte Venus, endlich eine Magdalena und ein Eece-homo, Welch' 
letzteres man indess seiner Zeit nicht besonders hoch stellte. 75 
Von den Bildern, welche uns geblieben sind und von Tizian's 
römischen Eindrücken Zeugniss geben, gebührt der "Daune" in 
Neapel die Krone. Wem es anfällig erscheint, dass der farne- 
sische Hof am Vorabend des Tridentiner Concils, welches berufen 
war, Simonie, Missbrauch und Ketzerthum zu vertilgen, sich mit 
den galanten Abenteuern des Heidengottes beschäftigte, der mag 
sich erinnern, dass Tizian soeben mit seinem Ecce-Homo Wenig 
Glück gemacht hatte und dass der Besteller des nun in Rede 
stehenden Bildes, Ottavio, Laie und Wcltmann war, der zu einem 
oiTe-nen Verhältniss mit der schönen Sinnlichkeit ebenso Berech- 
tigung wie Neigung hatte. 
 Die souveräne Herrschaft über die Mittel und die jugendliche 
nmonne, Frische, womit der 68jährige Meister diese wollustathmende Dar- 
stellung behandelt hat, lassen geradezu einen Aufschwung seines 
Stiles erkennen. Halb sitzend in schneeige Kissen gedrückt liegt 
Danae auf dem Lager; hinter ihr bauscht sich der schwere roth- 
seidcne Vorhang, leicht von Schleiertuch gedeckt, über den Al- 
-k0ven des Hintergrundes, dessen lauschige Dämmerung noch durch 
die Wolke beschattet wird, aus der der goldene Regen herab- 
fallt. Ein Pfeiler auf dunkelgrünem Sockel schneidet in das reine 
Blau des sonnigen Himmels und in der Ferne öffnet sich eine 
Landschaft mit Hügeln und Bäumen in Duft gebadet dem be- 
rauschten Blick. Amor, ein derber Junge, gleitet mit reizender 
Geberde hinweg; die Flügel ausgebreitet und voll Staunen schaut 
er neugierig dem klingenden Golde zu und hält den losgespzlnnten 
74 s. das farnesische Inventar bei Campari, Racc. di Cat. S. "208, 227, 234 
und 237. Das Doppelbild Paul's des III. und seines Sohnes stellte nach dieser An- 
gabe den Papst in rothem Sammtsessel dar, die Fliese auf rothem mit Gold ge- 
säumten Bänkchen und orientalischem Teppich. rechts Pier Luigi stehend in ganzer 
Figur in schwarzem Anzuge mit Goldstickerei, das Schwert an der Seite und die 
Hand eingestemmt. l  
75 Vasari XIII. 35, Ridolü I. S. 231.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.