Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1846151
92 
XIV. 
AUFENTHALT 
1545. 
465 
mit Arbeiten Solcher, die 
tieft Euch nicht zu sehr 
sonst lasst Ihr mich und 
Stichelw 
sich ihm an die Seite stellen, und ver- 
in das "Jüngste Gericht" der Sixtina, 
Sansovino den ganzen Winter über im 
Wie wenig kannte Aretin das künstlerische Wesen Tizian's, 
wenn er der Meinung war, er könne von Sebastian del Piombo 
oder Perino del Vaga etwas lernen! Hatte er in früheren Jahren 
aus Abgiissen von Figuren Michelangelds wohl Winke entnommen, 
wie die Natur und die Vorbilder früherer Künstler-Generationen 
zur Bildung monumentalen Formgedankens dienen könnten, so 
waren jetzt bei der Reife seines Kunstcharakters Vergleiehungen 
mit Michelangelo und der Antike für seinen Stil so gut wie wir- 
kungslos. Damit soll nicht gesagt sein, dass er sich damals allen 
Einflüssen entzogen wusste; im Gegentheil: so alt er war, er zeigte 
sich noch immer bereit, das Treifliche, wasier vorfand, zu nützen, 
aber die Meinung Michelangelds, er wurde, wenn er in der Ju- 
gend besser zeichnen gelernt und den natürlichen Gaben, die er 
besass, noch diesen Vorzug hinzugefügt hatte, ein Mustermann ge- 
worden sein G", ging ebenso fehl, wie die bestimmtere Uebersetzung, 
die Sebastian del Piombo jenem Worte gab: ndas Höchste konnte 
Tizian nur erreichen, wenn er in der Zeit, als sein "Triumph 
des Glaubens" entstand, nach Rom gekommen und bei Michel- 
angelo, Rafael und der Antike in die Schule gegangen WVä1'6."67 
Tizian hütete sich ängstlich vor der Gefahr reiner Nachahmung. 
Sagte er doch einst zu Vargas, dem spanischen Gesandten: er 
gehe der Stilweise Michelangelds und RafaePs absichtlich aus 
dem Wege, um nicht zum geschickten Sklaven zu werden. 68 Der 
Gang, den er genommen, hatte ihn zu erstaunlichen Leistungen 
befähigt; schwerlich würde ihn das Studium, Welches ihm, wie 
Michelangelo und Sebastian bedauerten, entgangen war, grösser 
gemacht haben. Denn wir suchen vergebens in der Kunstge- 
schichte nach einem Genius, der alle die hohen Eigenschaften, 
65 Aretin an Tizian, Lettere di M. P. Aretino III. 
W Vasari XIII. 35.  67 Vasari XIII. 21. 
68 s. Vicus, de studiorum ratione S. 109 und vgl. 
Gelegenheit des "Petrus Martyr" I. S. 273 ff. 
236. 
bei 
Bemerkungen 
IIIISETG 
oben
        

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