Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1845245
378 TIZIAN UND PORDENONE. CAP. 
 
XII. 
berechtigt, wenn man zusammenzahlte, dass innerhalb der letzten 
fünf Jahre auf etwa 40 Porträts verschiedener Art nur drei oder 
vier grössere Bilder kamen. Die Regierung, die ihn vergebens 
gedrängt hatte, wenigstens eine der Compositionen für den Saal 
des Grossen Rathes zu vollenden, sah sich schliesslich nach einem 
gefügigeren und billigeren Künstler um. Und dieser fand sich. 
Der Doge, sein Gönner, der ihn immer in Schutz genommen hatte, 
war ein alter Herr geworden und ermüdete in seinem fruchtlosem 
Bemühen. Die Folge war, dass Pordenone in Venedig erschien. 
Der friaulische Meister schien ganz und gar der Mann der 
Situation. Etwa fünf Jahre jünger als Tizian hatte er grosse 
Erfahrungen hinter sich und seine Stärke lag vornehmlich auf 
dem Gebiet, welches Tizian's Schwache war. Kaum eine Stadt 
oder ein ansehnliches Dorf gab es in seiner Heimath, wo er nicht 
Chor, Altarplatz oder Kreuzgang mit Fresken bedeckt hätte. In 
Venedig selbst war bereits eine ganze Kirche und die Kreuzgänge 
einer andern mit Oompositionen von ihm geschmückt, die um 
ihrer talentvollen Ausführung Willen ihm einen guten Ruf ein- 
getragen hatten. Die Ansiedelung in der Hauptstadt jedoch ver- 
mied er bislang, weil die Freiheit des Wanderlebens oder die 
Reize ländlichen Aufenthalts ihn stets mehr lockten als die Enge 
einer grossen Stadt. Vielleicht auch war Pordenone wenig erbaut 
von der Aufgabe, sich neben Tizian, dem er i. J. 1527 unter- 
legen war, gewissermaassen auf dessen eigenster Domäne durchzu- 
setzen; und noch Weniger mochte er seit dem Jahre 1533 Lust 
haben, dem in den Adel des römischen Reichs erhobenen Rivalen 
gegenüber in einer gesellschaftlichen Dunkelheit zu leben. Sein 
Name aber hatte seit jener Thätigkeit in Venedig immer besseren 
Klang bekommen. In Piacenza, Mantua, CrernßnagnGenua pries 
man seine Kunst, die nun nicht mehr blos in Monumental-Ar- 
beiten, sondern auch in tüchtigen Leistungen anderer Gattung 
hervortrat. Jetzt (1535) war auch die sociale Kluß; ausgefüllt, 
die ihn von Tizian trenntefda ihm der König von Ungarn den 
 gleichviel ob etwas bettelrüchigen  iAdelsbrief verliehen, 
und zu alle dem kam noch der Umstand, dass ihm infolge böser 
Händel mit seinen nächsten Verwandten die Heimath verleidet
        

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