Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842947
Zweiter Abschnitt. 
Pigmente zu Hülfe rufen. Um so grössere Ursache haben 
wir, die Unterschiede, Welche in unserem llrlättßflall her- 
stellbar sind, auFs Prägnanteste auszubeuten und sie niemals 
in Verwirrung gerathen zu lassen. 
S0 beschliessen Wir: Eine dünne Schicht von hellem 
Deckblau über dunklem Grund wird für unsere Darstellung 
immer eine ganz andere Bedeutung haben, als eine positive 
Hochschicht derselben Farbe, oder als gar ein Lasurblau über 
heller Unterlage; und an der dünnen Schicht von Lasurroth 
oder Gelb über Weiss beachten wir nicht nur, dass sie blass- 
farbiger ist, als die höhere Intensivschicht des gleichen Pig- 
ments, sondern Wir merken an, dass sie von leichterer Sub- 
stanz ist, und uns also auch zur Darstellung leichterer Sub- 
stanz dienen wird. Und gelangen Wir bei Charakterisirung 
des Gegensätzlichen auch nicht bis zur Energie der Natur- 
vorbilder, so sind wir doch mit "unserer Absicht auf dem 
Wege dazu. 
Der wesentlichste Vortheil, der uns aus der Verwendung 
des Vergönnten entspringt, ist der, dass wir auch hier wieder 
das Naturvorbild auf die Ursachen seiner Erscheinung hin 
studiren. Und indem es uns gelingt, die Art und Weise der 
Lichtbedingung, welche die Farben der trüben Medien in der 
Natur hervorruft, von der Lichtbedingung zu unterscheiden, 
unter Welcher die Farben fester Körper entstehen, und wir 
dann weiterhin vermögen, diese beiden Unterschiede in unsere 
Darstellungsniittel zu übersetzen, werden wir den V0rzug' 
feinerer Naturbeobaehtung und naturgeinässerer Darstellung 
vor dem voraushaben, der anders verfahrt, als wir. 
Man braucht, um dieses klar und schlagend einzusehen, 
nur ein Bild irgend eines der alten "Idealisten" und eines 
jener modernen „Natnralisten", welche Pous sin und Claude 
le Lorrain über die Achsel anschauen, neben einander zu 
stellen. In dem Bilde des Alten werden Wir glauben, freie 
Luft zu athmen. Die Farben des Himmels und der Luft- 
perspeetive sind. mit Benutzung der trüben Medienersrehei- 
nungen gegen die Blarben der festen (iregenstänrlc ausgezeichnet.
        

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