Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842937
6 und 
Vorbemerkung zu g 
Medien. 
Die trüben 
Bringen wir dieselben zur Verwendung, so leitet uns 
auch hier nicht die Absicht, es der Natur in dem ganzen 
Umfang ihrer Vollkommenheit gleich zu thun, sondern es 
genügt, vor allen Dingen zu constatiren, dass in der Natur 
sowohl, als in unseren Pigmenten, sich die Farben trüber 
Medien vor positiv körperlichen Ilarbencharakteren eigenthüm- 
lich auszeichnen. 
Dieses Auszeiehnende liegt in einem gewissen Mysterium 
ihrer Schönheit und in ihrer grossen Eleganz und Leichtig- 
keit. S0 ist das Blau des Himmels oder der fernen Berge 
ein ganz anderes, als das eines positivblauen Gewandes, und 
ebenso ist das Roth und Gelb der abendlichen Dünste grund- 
Verschieden von der rothen und gelben Localfarbe fester Gegen- 
stünde. 
Die hohe Brillanz, Welche das Farbenspiel der Wirklichen 
Atmosphäre zeigt, können wir allerdings nicht erreichen. Denn 
sie wird verdankt dem starken Lichte der selbstleuchtenden 
Sonneniiamme einerseits und andrerseits der tief sich aus- 
dehnenden Schicht der Atmosphäre, in welcher die trübenden 
Partikel vertheilt sind; fernerhin aber kommt ihr zu Gute 
die absolute lilinsterniss, Welche sich hinter der Atmosphäre 
im Weltraum ausbreitet. 
Wir hingegen besitzen in dem äussersten Weiss des Grun- 
des nur einen mässigen Grad reflectirten Lichtes; die 
Schicht unserer Bindemittel ist gar bald durch die trübenden 
Pigmentpartikel undurchsichtig gemacht, und die äusserste 
Lichtabsorption, welche schwarze Farbenunterlagen leisten, ist 
gegen die des Weltraums noch eine bedeutende Helligkeit zu 
nennen. Solches Zurückstehen unseres Nlateriztls wird uns 
aber nicht etwa bestimmen, dem Erreichbaren zu entsagen, 
sondern es Wird uns im Gegentheil zu um so grösserer Auf- 
merksamkeit veranlassen. 
Wohl sehen wir ein, dass wir mit den Mediensehicliten 
unserer Piglnente allein nicht ziuslangen, wir bleiben ja hinter 
der Farbensehönheit der Naturerscheinungen auch dann noch 
weit zurück, wenn wir selbst die volle Localfarloenkraft der
        

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