Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842929
Zweiter Abschnitt. 
Vorbemerkung 
und 
trüben 
Die 
Medien. 
Sehen wir durch ein sogenanntes trübes Medium eine 
Lichterscheinuiig zum Auge herwirken, so werden wir warme 
Farben gewahr, als: Gelb, Orange, Roth, Braun. Wirkt aber 
durch den Lichtsehirnrner, welchen eine trübe Medienschicht 
tragt, eine Dunkelheit zum Auge, so sieht dasselbe kalte, in's 
Blaue fallende Farben. 
Die Entstehungsweise dieses Medienblaues erkannte zuerst 
Lionardo da Vinci, vielleicht zunächst an Pigmenten 1), 
als er auf ausserst verdunkelte Modellirungsunterlagen sehr 
dünne Schichten halber Deckfarbe legte, und er brachte das 
hier Bemerkte an der Hand eigens mit Wasser- und Kohlen- 
dämpfen angestellter Versuche alsbald mit den ähnlichen 
Farbenerscheinungen in Verbindung, die man im Rauch und 
in den Dünsten der Atmosphäre gewahrtg). 
Aber nicht nur an den Farben der Luftdünste haben 
diese Erscheinungen Antheil, sondern auch an denen vieler 
anderer durchscheinender Körper, welche der Maler darzu- 
stellen hat. Gewisse Farben dunklen Wassers, das Blau des 
Auges und das blauliche Hindurchscheinen der Adern durch 
die Haut, sowie die russig röthliche Farbe des Staubes vor 
durchscheinendem Lichte gehören hierher, und so muss uns 
denn der Umstand sehr willkommen sein, dass wir in unsern 
Oelfarben in reichlichem Maasse über die Erscheinung trüber 
Medienfarben verfügen 3). 
1) Er sagt: Je vollkommener das Schwarz des Grundes und je reiner 
das Weise der Decke ist, desto schöneres Blau entsteht. 
9) Ob Lionardo auch die warmen Farbenerscheinungen in Rauch, 
Wolken und Luftdünsten als Wirkungen trüber Medien erkannte, geht aus 
seinen bis jetzt veröffentlichten Notizen nicht hervor. 
3) In den Oelpigmenten werden die trüben Medienfarben veranlasst, 
einmal, weil wir kein von Trübung freies Bindemittel besitzen, dann aber 
auch, weil in verdünnten Schichten die weisslichen Partikel des Farben- 
körpers selbst als trübend für die Durchsichtigkeit des Bindemittels, in dem 
sie eingelagert sind, wirken. Siehe Brücke, Farbenphysiologie.
        

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