Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842822
Zweiter Abschnitt. 
Es kam jetzt nur noch darauf an, dass man dieses fremde 
Grau conventionell für den Schatten von Fleisch anerkannte, 
so malte man es denn auch, wie die Obengenannten alle oft 
gethan, gleich dickgemischt, auf den rothen Grund neben den 
röthlichen Fleischton des Lichtes hin. 
Die weniger Affectirten und etwas solider Bleibenden, Wie 
z. B. Domenichino, haben dies nun zwar nicht gethan, 
aber auch ihre stumpfen Fleisehschatten sind in der Local- 
farbe abweichend und zeigen in trüben Tönen den beschmutzen- 
den Einfluss der mechanischen Mischungsfehler. Der rohere 
Guercino malt schon gar keine grauen Schatten der Gar- 
natien mehr, sondern schmiert deckendrothe an die Stelle. 
S0 auch lassen viele Spanier, das coquette Spiel jener oben- 
erwähnten niederländischen Tonmaler sehr plump und ge- 
schmacklos nachäffend, ein heftiges Hellroth des Grundes in 
den Schatten der Gesichter hindurch Wirken, so dass diese 
nun glühen, wie von Innen erleuchtete Kürbisköpfe 1). 
Weit besser ist der sehr dunkelrothbraune Grund in den 
überkraftvollen Modellirungsscalen der maniera forte des Gara- 
vaggio benützt. Die rasch an Dunkelheit zunehmenden 
Schatten sind mit dünnster Schicht über die Dunkelheit hin- 
übergeschummert. S0 lange der Firniss glänzt, sieht dies 
vortrefflich aus. Aber die mit der Zeit eintretende Trübung 
desselben verödet den ursprünglichen Reichthum dieser letzten 
zartesten Nüancirungen sehr dünner Schicht. Auf dem sehr 
dunklen Grunde schadete aber sogar eine geringe und vor- 
sichtig verwendete Beimengung von Schwarzpigment in die 
Carnation Weniger. Der Farbenfehler wird durch die Dunkel- 
heit weniger auffallend. 
1) Es ist bezeichnend für die Modernen, dass gerade die verfallende 
Schule Spaniens von ihnen so sehr gefeiert wird. Auch nicht das aller- 
vollendetste Bild aus dieser Schule kann sich an Wahrheit, Schönheit, Un- 
befangenheit und Kunst des Oolorits so wenig, wie der Formengebung, mit 
den grossen deutschen oder italienischen Cinquecentisten messen. Selbst 
der schönste Silberton des Velasquez oder  immer ein künst- 
lich conventioneller und "Eiehl: nebenYiefmeoloidistischen Unbefangenheit 
H0lbein's, RafaöPs oder Oorreggids steif, unwahr und leer aus.
        

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