Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842784
Zweiter Abschnitt. 
Tonmaler 
der 
Decadenz. 
Stehenlas- 
sen braun- 
getuschter 
Schatten. 
richtige Grau des Schattencharakters. So hat man denn diesen 
Gegensatz in der Farbencomposition vermieden. Gegen die 
farbenkeuscheren und solideren Bilder grauer Unterlegung 
bekommen die direct auf das Braun gemalten zwar immer- 
hin etwas zu sehr Gewarmtes, in den stumpfen Schatten des 
Fleisches und aller warmen hellen Localfarben fehlt das eigent- 
liche Grau. In den Bildern selbst aber wird dieser etwas zu 
farbige Sehattencharakter nicht mit correct Grauem zum Ver- 
gleich gebracht, sondern vielmehr mit unvergleichlich viel 
stärkeren Farben rother und gelber Gewänder. Dieser Gegen- 
satz stellt ihn etwas mehr in's Graue. Hellblau im Schatten, 
welches richtig sein würde, kommt nicht vor, auch das Weiss- 
zeug ist in Warmen Tönen gehalten. Das Lichtblau des 
Himmels schadet nichts, denn es stellt keinen Schattencharakter 
vor. So fällt der Fehler allerdings weniger auf. Das Fehlen 
der kalten Farben macht aber die Bilder etwas farbenarmer, 
und ihr Colorit ist weniger naiv und naturwahr, als das der 
anderen. 
Die späteren Lichteffeet- und Goldtonmaler (1600) malten 
gleichfalls direct auf Braununtertuschung localfarbig. Sie 
führen ihre Modellirungen nicht streng localfarbig durch, 
sondern lassen mit einer gewissen Coquetterie das Braun der 
Untertuschung für die letzten Schatten aller Lokalfarben 
stehen. So kommen die halbdeckenden Schichten der Halb- 
schattentöne neben dieses offen zu Tage liegende Klarbraun 
zu stehen, und durch den Contrast bekommen sie trügerischer 
Weise einen grösseren Werth von Grau, als sie thatsachlich 
besitzen. Man überzeugt sich hiervon leicht, wenn man das 
contrastirende Braun verdeckt. Der Kunstgriff ist freilich 
geistreich. Neben dem soliden Oolorit der Aelteren fallt er 
aber durch, er verrath das Raflinement eines modischen Con- 
ventionalismus und gesunkenes Formengefühl. Die grossen 
Maler des Cinquecento legten den farbigen abschwachenden 
Gegensatz in die Localfarbe eines anderen Gegenstandes, nie 
aber in einen einzelnen Ton der Modellirungsscala selbst. 
Für dieses letztere Auskunftsmittel war ihr llbrniengefiihl viel 
zu ausgebildet, und lieber wurde der Fehler offen eingestan-
        

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