Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842674
Lgs. 
Dehnbarkeit. 
Nennen wir diese Eigenheit der Oelfarben, dass ihre Re- 
Hexionskraft durch Verdünnung oder Verdickung der Schicht 
in so mannigfaltiger und beliebiger Weise variirt werden 
kann, „die Dehnbarkeit der Farben innerhalb ihres Lichtum- 
fanges". Sie hängt mit allen ihren Folgen für die Darstel- 
lung ab von jener anderen mechanischen Dehnbarkeit oder 
Geschmeidigkeit, welche das Oel dem Material mittheilt 1). 
Diese letztere soll daher von dem Maler als eine unschätzbare 
Eigenschaft hoch in Ehren gehalten werden, und derselbe soll 
sich hüten, sie durch unvorsichtiges Zumischen raschtrocknen- 
der Firnisse zu zerstören. 
Würden wir in Wasserfarben eine schwarze Tafel mit 
auslaufenden Farbenstreifen bedecken, so würden wir noch 
deutlicher, als früher, den Vorzug erkennen, welchen die 
Durchsichtigkeit des Oeles Verleiht. Keine unter den 
Wasserfarben würde sich an Lange der tNtiancirungsscalen 
mit unseren Deckfarben messen können 2). Die dunklen Wassen 
farben würden wohl längere Scalen zeigen, als die dunklen 
Oelfarben. Ihre Töne würden wir aber sofort nachahmen 
können, wenn wir die dunklen Oelpigmente mit etwas Neutral- 
weiss aufhellten. Sowie dieses geschähe, wären auch diese 
Scalen den gleichfarbigen der Wasserfarben überlegen. 
Ausserdem wird uns dann der Vortheil recht klar werden, 
Welchen den Oelpigmenten der Umstand verleiht, dass sie 
unverändert stehen bleiben, wie sie der Maler hinsetzt. Nun 
wird jene Ungewissheit des Erfolges ganz verschwunden sein, 
welche wir bei der Mischung von Schattentönen der Carnation 
auf dunklem Grunde in der Vllaisserfarbentechnik eine so grosse 
Rolle spielen sahen. Angenehm und leicht lässt sich in Oel- 
farben die Schicht mit _dem Pinsel verdünnen oder verstärken, 
Dehnbar- 
keit. 
Vergleich 
mit den 
Wasser- 
farben. 
1) Am besten wieder Petroleum. 
2) Das Wasserfarbenweiss erreicht schon in dünner Schicht einen 
höheren Grad der Helligkeit, als das Oelfarbenweiss selbst in sehr dicker 
erreicht. Aber der Streif des letzteren ist von langer Blrstreekung und 
sein Uebergang in den Grund ist ein unmerklicher. Der letzte Ausläufer 
der Wasserfarbe sitzt dagegen nahe beim Culminationspunet des Lichtes 
und fällt schroifer in den Grund ab.
        

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