Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1842517
III. 
Zusammenfassung dessen, 
worin die Wasserfarben 
etc. 
zurückstehen 
[Farbe wohl dunkler, aber nicht mehr intensiv, sondern stumpf, 
und mit ihrer Schönheit ist es aus. S0 ist es denn Weit 
klüger, solch ein vorsichtiger Behandlung bedürftiges Pigment 
zur Stimmgabel für die übrigen Töne im Bilde zu Wählen, 
.als, umgekehrt, in andern Farben eine Stimmungshöhe oder 
Tiefe anzuschlagen, zu Welcher die Kraft gerade der schönsten 
und erfreulichsten Töne nicht mehr ausreicht. Cennini 
hatte auch allgemeiner sagen können: Für jede Farben- 
harmonie, die du gerade im Bilde aussprechen willst, bestimme 
dir zur Stimmgabel der Farbenkraft die schönste Hauptfarbe 
der Harmonie. Treibe das Pigment, das du für diesen F arben- 
ton besitzcst, auf dem Bilde sogleich zur höchsten Kraft, deren 
es fähig ist, um so mehr, wenn es ein delicat zu behandeln- 
des Pigment ist  also Eines von durchsichtigem Intensiv- 
charakter. 
Denn wärest du, nachdem du schon weit vorgeschritten 
bist, mit den anderen Farben bei einer Tiefe oder Höhe an- 
gelangt, in welcher du die höchste Kraftstelle gerade des 
schönsten Pigments der ganzen Harmonie nicht mehr ver- 
wenden kannst, so hättest du dich selbst um's Beste betrogen. 
Wie oft musste nun das farbenfrohe Auge der Alten, 
dieser Maler im vollsten Sinne des Wortes, durch die Unzu- 
länglichkeit des Materials zur Hervorbringung gerade der 
schönsten Töne aus seiner Illusion gerissen werden. Solange 
die Intensivfarben gleich nach dem Auftrag nass Waren, war 
ihr Ansehen tief und feurig, waren sie aber aufgetrocknet, 
so war die dunkle Klarheit und Pracht wieder verschwunden. 
Die Schatten sahen wieder flach und hell aus. 
Wie oft mögen sie beklagt haben, dass die leicht sich 
wieder auflockernde Farbendecke nicht ein öfteres Durch- 
inehmen der Form gestattete, und dass sich zarte Uebergänge 
der Modellirung nicht mannigfaltig genug herstellen und nicht 
zart genug ineinander vermalen liessen. XVie sehr mochten 
"sie bedauern, dass jene Abschattirungen der Carnation auf 
dunklem Grunde trotz aller zu ihrer Erzeugung angewandten 
Kunst und Ueberlegung nicht so lebhaft und schattentief auf- 
ztrockneten, als man sie gern gesehen hätte. 
 3a
        

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