Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844785
262 
Amhang. 
lirungen sahen, ein vortrefßicher Modellirungsuntergrundl für 
die in der Landschaft vorherrschenden Farben. Dass aber 
immer derjenige Maler feiner für das Colorit denkt, welcher 
durch dasselbe vor allen Dingen der Form zu (lienen beab- 
sichtigt, bethätigt sich auch wieder an dieser Stelle. 
Die Leinwandgründe des Poussin und Claude sind 
der Bodenfarbe der römischen (Tampagnzt nachgeahmt, und 
dieses trägt nicht wenig dazu bei, dass die Bilder mit 
so überraschender Natürlichkeit den ernsten Localfarben- 
Charakter des schönen Landstrichs schildern, Welchem ihre 
Motive entnommen sind. Was aber alle Landschaftsmaler 
des sechszehnten Jahrhunderts gemeinsam auszeichnet, ist, 
dass auch da, wo Effecte der läeleuchtung das Problem der 
Darstellung sind, immer dieses Problem sich in den Schranken 
des Errcichbarcn hält. Niemals zerschneiden schairfe Lichter 
und Schatten die Form eines und desselben Gegenstandes 
in getrennte Theile. Nie geht, auch selbst, wenn Sonnenbe- 
schienene Dufterscheinungen gemalt wurden, die Localfarbe 
der Dinge gänzlich im Dufte auf. Die Farbenchatrtiktere der 
Palette sind ausgebeutet sowohl auf die (lharakterisirung der 
Stofflichkeit, als auch auf die der Lichtarten. (Richtung des 
Lichtstrahls in der beleuchteten Materie.) 
Und alles dieses zusammengenonnnen, die Einschränkung 
der Absicht in ISeziehung auf das Naturproblem, neben der 
Meisterschaft und Gründlichkeit in Beherrschung der Dar- 
stellungsmittel, verschafft den Bildern jenen Eindruck grosser- 
Solidität und einfacher Nziturwahrheit, welche sie so wohlthuend 
vor dem sentimentalen, haltuilgslos auseinanderfallerlden und 
überall Rathlosigkeit und Unvermögen verrathenden Flitter 
moderner, besonders deutscher Landschafterschulen hervor- 
hebt. Nur, wer wie Jene die Natur wirklich für Zwecke der 
künstlerischen Darstellung studirt hat- und zugleich im Kunst- 
werk den aus den Darstellungsmitteln hervorgehenden An- 
forderungen und Regeln der malerischen Darstellung Rech- 
nung zu tragen versteht, vermag dann auch seine persönliche 
Anschauungsweise zur Geltung zu bringen. Und S0 lassen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.