Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844744
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Anhang. 
In den grossen Bildern, Welche mit Deckfarbenlnalerei auf 
dunklem (irund gemalt sind, zeigt er sich nicht im Glanz 
seines Colorits und auch nicht in dem Feuer seiner Pinsel- 
führung. Er nähert sich hier etwas dem Langweiligen und 
Trübfarbigen des Domeniohino und lässt in einzelnen 
Loealfarben den Ton mehr, als in andern, durehsehimniern, 
so dass er gegen D0 n1 enichi 110, welcher gleiehmässigei: deckt, 
hier sogar unsolid erscheint. 
Van 
Dyck. 
Van Dyck hat Clairobscure auf tiefbrauner saftiger 
Untertuschung gemalt, in welchen seine Manier der des 
Andrea del Sarto verglichen werden kann. Nur dass er 
noch viel nachlässiger und mit grösserem Missbrauch die 
Braununtertuschtlng stehen lasst und nicht so solid in der 
Form wird. Der braune conventionelle Generalton der Bilder 
ist modisch, der Sinn für Durchhalten der Localfarbe bedeutend 
gesunken. 
Seine Bildnisse sind meist mit Deckfarbe auf grauen 
Mittelton aufgehöht. Oft sind die bleigrauen Schatten der 
Carnation mit Eininengung von Schwarz in die (Yarnationsfarbe 
erzeugt, mit ähnlichem Geschick, wie bei G u idc R e 11 i. Schnell- 
inalerei war bei ihm an der Tagesordnung. Die schöne, feine 
und naturwahre Wirkung, welche der (lurchschimnieriide 
Grund verleiht, haben diese Schatten natürlich nicht, sondern 
sie sind conventionell. 1) 
Ein ausserordentlich schönes Beispiel von Benutzung des 
Mitteltons existirt in der Gallerie Liechtenstein, die Skizze 
eines Reiters. Auf schiefergrauem Grund sind die Contourc, 
die Schatten und die dunklen Localfarben mit Sclnvarzbraiiii, 
1) Wie denn van Dyck, auch was die Auffassung der porträtirten 
Persönlichkeit anlangt, gegen die überzeugende Natürlichkeit und Wahrheit 
RafaöPs oder Holbein's gehalten, seinen persönlichen KlHlStIIlilUiefiSmllS 
zur Schau trägt, und nicht mit seiner Beobachtung in dem Wesen des Vor- 
bildes aufgeht. So eng hängen in der Kunst das geistige und technische 
Wollen und Können zusammen.
        

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