Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844689
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Anhang. 
stand alsdann das hochgedeckte Licht unverlnittelt neben dem 
blossgelegten Bolusgrund. 
Ribera und auch Guercino halfen dieser bald er- 
kannten Gefahr dadurch ab, dass sie, Schwarz in der Carna- 
tionsmengung hinzuziehend, im Schatten dicker impastirten. 
Daher fallen ihre Schatten aus der Localfarbe und sind lehmig 
und trüb. Ribera wusste häufig durch lichtabsorbirende 
farblose Lasur Wieder zu helfen. Guercino aber lasirt  
oder schmiert  ohne alles Farbengefühl halbdeckendes 
Rothbraun von obenher auf die Carnationssehatten hinauf. 
Er ist denn überhaupt der Roheste unter den Caraccesken. 
Guido kehrt zu hellerer, violetgrauer Untermodellirung 
um. Sie ist nur nicht gewissenhaft und nicht verschmolzen 
genug, daher auch er zu dickerem Farbenauftrag, als billig, 
in der localfarbigen Modellirung genöthigt wird. So mengt er 
gleichfalls in die Schattentöne Grau, aber mit der ihm eigenen 
Eleganz ein nicht unangenehmes  wiewohl entschieden fremd- 
farloiges  Blaulichgrau, welches denn Wenigstens durch seine 
relative Farbenneutralitat schattig bleibt, und ausserdem mit 
unnachahmlich geschickter Pinselführung trotz des hohen Auf- 
trags weich hingeschmolzeix ist. 
Was aber an Carava g gio und an Ribera vorzüglich 
studirt werden kann, ist, wenn man einmal diese Faustmztlcrei 
anerkennt, ein üUSSQYOIClBIItliClI geschmackvolles und der Form 
und Modellirung angeschlossenes Impasto.  
Prinuunulerei 
des 
Jahrhunderts. 
Die spätere Priinzunalerei kann uns nicht mehr be- 
schäftigen. In ihr sind die guten Zeiten der rationellen 
Technik zu Ende. mFaust und Geschwindigkeit" ist die Parole, 
und so oft wir auch noch grosseni Talent und mancherlei 
Wissen begegnen, die Cileichmäissigkeit des Impasto und die 
Nüchternheit der Deckfarbe gähnen uns mit unendlicher 
Langweile an. 
Um so Ausserordentlicheres bieten die Niederländer des 
1600. Sie halben die eilten guten (irundprineipien der Technik
        

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