Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844633
Führung der 
A rbeit 
3,1l 
Schulen. 
der alten 
Kunstwerken 
247 
theiligen Einfiuss, welchen selbst ein Michel An g elo auf die 
Kunst der Oelmalerei ausüben konnte, indem er, in, den umge- 
kehrten Fehler, wie die V enetianer, verfallend, nicht fähig war, 
die Farbe als ein unerlassliches und der grössten Aufmerk- 
samkeit werthes Mittel in der Hand des Malers, welcher 
Formenvollendilng anstrebt, zu erkennen, Von seinen V er- 
suchen in Oelfarben zu malen dürfen wir geradezu schweigen. 
Es ist bekannt, dass er die Oelmalerei Weiberarbeit nannte, 
zu deren Ausübung man keiner sicheren Meisterschaft be- 
dürfe, da man Verfehltes fortwährend umändern könne. Dies 
Letztere ist nun schon an sich ein Irrthum. Dass er aber 
nicht Verstand, die Möglichkeit des häufigen, immer Weiter- 
bildenden lllebermalens sei eine der willkommensten Eigen- 
schaften der Oelmalerei, da sie die Meisterschaft, welche die 
höchste Vollendung des Schlussresultats erstrebt, unterstützt, 
beweist wohl, dass ihm überhaupt der Sinn für die zum 
grossen Theil auf dieser Eigenschaft basirenden vielseitigen 
Fortschritte der Zeit in der malerischen Darstellung abging. 
Dem scheint auf den ersten Blick die hohe Vollendung. 
welche die Frescogemalde der Sixtinischen Capelle auszeichnet, 
zu widersprechen. Genauer besehen, ist dieselbe aber, vom 
malerischen Standpuncte aus betrachtet, dennoch eine einge- 
schränkte. Was in diesen Fresken von niemals übertroffener 
Meisterschaft bleibt, ist die einfarbige Modellirung der mensch- 
lichen Körperform, hauptsächlich, wo sie in Carnatioxisfarbe 
ausgedrückt ist. Schönere Modellirungen in einfachen, in's 
Graue gehenden Fleischtönen sind niemals wieder gemalt 
werden. Wer das Glück hatte, diese Malerei in der Nahe 
betrachten zu können und die vollendete Harmonie in den, 
wie im allerdurchgeführtesten Oelbilde, verschmolzenen Model- 
lirungstönen zu bewundern, die mit aller ihrer wundervollen 
Exactheit mühelos hervorgeht aus der Wahrhaft schöpferisch 
verfahrenden formalen Vorstellungskraft des grossexi Künstlers, 
der mochte wohl, erschüttert, vor solcher Höhe und Solidität 
der Meisterschaft demüthig sich beugen. 
Sowie aber Michel Angele aus dem einfachen Farben- 
problem, welches ihn hier beschäftigt, heraustritt, zeigt sich,
        

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