Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844557
Füh run g der 
Arbeit an 
Kunstwerken 
der 
alten 
Schulen. 
239 
habe er ein Verständniss des Zusammenhangs ihres formalen 
(iJi-ganismus, eine Kenntniss ihres Details in der Weise be- 
tonen wollen, wie dies selbst die minder grossen Meister der 
Buonairottfschen und Rafaehsehen Schule zu thun ver- 
mochten. Es ist in dein (lolorit des T izian nicht etwa eine 
Vereinigung gesteigerter Blornienmodellirung im Sinne Lio- 
nardos mit der heiteren Sehönfzrrbigkeit der alten Schule 
zu erkennen, wie bei Rain el, sondern nur eine Milderung 
der Sehönfarbigkeit durch sänftigenden Ton, sowie eine Ver- 
einfachung des alten Localfarbenreiclithums durch Anordnung 
breiter Hauptgegensätze von Hell und Dunkel. 
Für die architektonische Farbenordnung der Bildiiache 
und deren grössere Klarheit und Einfachheit hat die Vene- 
tianische Schule wohl Gesichtspuncte aufgcstellt.' Nur ist zu 
beklagen, dass sie in der lilarbenbehandlung, d. h. in der rein 
technischen Auftragsweise des Pigmentmaterials, evidente Rück- 
schritte machte. Keines der Bilder der venetianischen Colo- 
ristensehule tragt mehr den Stempel der hohen sorgfältigen 
Vollendung in Behandlung der Oelfarbencharakterc, wie die 
Bilder des van Eyck ihn aufweisen. Lasur und Deckfarbe 
gehen schon oft bedenklich durcheinander, warme dunkle 
Deckfarbe steht mit ihrem Opakcharakter und trübgrauen 
(i)berflachenlicht schon oft, WO leichte, sehwachfarbig graue, 
aber innerlich durchleuchtete, oder auch von obenher Licht 
absorbirende Lasur stehen sollte. Die hohe Farbengluth her- 
vorzubringen, sind sie nicht mehr befähigt._ Den Platz des 
innerlichen Leuchtens nimmt mehr und mehr ein trübes Deck- 
farbenwesen ein. Sichtbar und durch keinen gemeinsamen 
Ton verbunden steht das deckfarbige graue Licht neben dem 
auflasirten intensivfarbigen Schatten. 
Häufig mag es die Riesengrösse der Formate gewesen 
sein, welche neben der Schnellpromluction ihren schädigenden 
Einfluss auf die Behandlung der Pigmente geltend machte. 
In solchen grossen Flächen behandelt sich die pastos aufge- 
tragene Fairbe besser, als die Lasur, ja des robusteren Aus- 
sehens wegen muss sie wohl sogar etwas in's Uixbcrgcixxiielit
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.