Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844525
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Anhang. 
Ungenirtheit des Virtuosen prunkt, sondern seine Kraft stets 
vornehm und massvoll zusammen halt. Ist seine Zeichnung 
auch hier und da nicht ganz befriedigend, sie zeigt Wenigstens 
nie eine Spur leichtsinniger oder wohl gar halb und halb ab- 
sichtlicher Vernachlässigung zu Gunsten des Colorits. Aber 
wie schon gesagt, so wenig er die Form zur Nebensache macht, 
das ganz neue Interesse, Welches Lionardo derselben ver- 
liehen hatte, zeigt er nicht für sie. Da nun also seine Vor- 
stellung Vom menschlichen Körper keine so allgemeine wurde, 
wie die des Lionardo, so blieb er mehr an's Modell ge- 
bunden. So sehr er sich diesem jedoch zuweilen ansehliesst, 
so kann man dennoch nicht sagen, dass er ein Naturalist ge- 
wesen wäre, wie Li onardo. Dieser ergreift mit seinem naturv 
forschenden Sinn die einzelnen Falle der Natur als Beob- 
achtungsobjecte und gelangt auf diesem Weg zur Allgemein- 
heit der Vorstellung, Correggio aber sieht das Modell nicht 
auf ein in ihm enthaltenes Naturgesetz an, sondern benützt 
dasselbe lediglich zum idealen Zweck seines Bildes. Auch 
hierin verhält er sich der älteren Schule ähnlicher. Lionardo 
hat Neues, bis dahin nicht Vorhandenes erschaffen, Cor- 
reggio nur schon Vorhandenes mit Meisterschaft geübt, sich 
dem Neuen wohl nicht ganz verschlossen, es aber nicht in 
seiner vollen Energie und Bedeutung erfasst. 
Stellen wir ihn als Muster auf für vollkommene Clair- 
obscurnmulerei, so giebt auch er den modernen Coloristen fol- 
gende Lehre: 
"Das Wesen des Clairobseurs ruht in der Darstellung des 
Lichtes geschlossener Räume oder der Dämmerung und in 
der luestnnniten Trennung von Schatten und Lieht. Alle Local- 
farben werden durch den Zauber eines milden Tones einarl- 
der genähert, ihre Unterschiede bleiben aber auch im Schatten 
deutlich aufrecht. Soll dieses Letztere geleistet werden, so 
müssen vor allen Dingen die Formen, welchen die Farben 
angehören, deutlich bleiben. Dies ist die Kunst, welche die 
Modernen erst zu erlernen haben. Ihre Bbrmenunklarheit ist 
kein (Ylairobseur, sondern ein Confusobscur.
        

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