Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844498
Führung der 
Kunstwerken 
Arbeit 
Schulen. 
der alten 
233 
einzelnen ltallen hervorbringt, hinausging. Diese Vorstellung 
prägt z. B. den Gestalten des Mi chel Angclo den Charakter 
eines von ihm erschaffenen, mit dem vollkomlnensten Glieder- 
bau ausgestatteten Riesengeschlechts von Kindern, Jünglingen 
und Jungfrauen, Männern, Frauen und Greisen, die alle dem- 
selben edlen Stamm angehören, auf und begleitet den mehr 
individualisirenden" Naturalismus des Rafael stets, wie eine 
den Meister über das Zufällige und Hässliche des Individuums 
hinweggehende Göttin. Solchen Adel der Vorstellung und 
derartige Kenntniss von der menschlichen Form besitzt Cor- 
reg gio allerdings nicht, mit seiner Individualisirung bleibt 
er der vorlionarddschen Zeit angeschlossen. ' 
YVas seine coloristisehe Anschauung und sein Verfahren 
anlangt, so trennt er sich gleichfalls gar nicht so weit von 
der schönfarbigen Manier der Aelteren, als man gewöhnlich 
annimmt, er mildert dieselbe nur in grössere Tiefe der Schatten  
hinab. Erstens, kürzt er niemals das dem Colorit vorher- 
gehende formenvorbereitende Verfahren ab, auch wenn er 
auf einen allgemeinen Mittelton malt. Dieser ist alsdann nur 
gewählt, weil der grössere Theil der Bildfläche überhaupt 
dunkel zu werden hat. Aber die Formen der Figuren sind 
in schönem, sauberem Contour und mit der allerdurchgebildet- 
sten Graumodellirung (Halbdeckfarbe im Schatten, Hochdeck- 
farbe im Licht) vorbereitet. Das unvollendete Bild in Doria 
Pamphili ist zwar eine Tempera, wenn der Meister aber hier 
schon so sorgfältig und mit solcher wegen der Schwierigkeiten 
des Materials ganz erstaunenswerther Genauigkeit die Grau- 
inGrrziuuntermodellirung schuf, so wird er dies in Oelfarben, 
mit welchen es viel leichter ausführbar war, doppelt gethan 
haben. _ 
Fernerhin steht er den Aelteren darin nahe, dass jeder 
Einzelgestalt stets durch Schatten und Licht hin eine ausserst 
prägnante L0ealfarbendeutlichkeit und Zusammengehörigkeit 
gewahrt ist, viel scharfer, als bei Andern, bei denen oft die 
verschiedenen Localfarben tiefer Schatten in allgemeiner 
Dunkelheit zweifelhaft werden. Letzteres ist bei Correggio 
nicht einmal in einem Beleuchtungsproblem, wie das in der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.