Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844474
II. Weiterentwickelung 
Zwecken 
Clairobseurs mit vorherrschenden 
Colorits als solches. 
des 
des 
Correggio und die Venetianer gingen bei ihren Clair- 
obscurcn nicht vorzugsweise von der Absicht aus, das Detail 
der F ormengebung höher auszubilden. Sie unterordnen dieses 
haulig sogar mehr, als die alte Schule gethan, und geben der 
Form als Ganzem nur mehr Rundung und Relief. Daneben 
ist es ihnen zu thun um den Reiz des hohen Lichtes gegen- 
über farbloser Dämmerung, oder um den sanften Farbenreiz 
der Dämmerung selbst. 
Es ist verhängnissvoll für die Kunst geworden, dass die 
spätere Malerei diesem Weg gefolgt ist. {Die Meister, welche 
noch bei den Lehrern. der CLIlIDlIIäÜOUSBpOOhQ in die Schule 
gegangen waren, besassen einen solchen Vorrath guter Prin- 
cipien und hatten so strenge Anleitung zum Formenstudium 
gehabt, dass ihre beginnende Nachlässigkeit nicht allzuweit 
gedieh. Der Rückschritt verleugnet sich zwar nicht, aber das 
eigene Urtheil und Wissen und die gute Gewöhnung waren 
zu gross, und man raffte sich immer wieder auf. 
Desshalb wird es denn häulig keinen Sinn haben, wenn 
Bloderne den Correggio oder die Venetianer nach Gier- 
gione wegen ihrer Zeichnung tadeln wollen. Wenn das aber 
die Zeitgenossen thaten, so waren sie in ihrem Recht, weil 
sich die Getadelten evident dem Aufschwung des anatomischen 
Verständnisses der Form nicht anschlossen, welchem Lionar dp 
und Michel Angele die Bahn gebrochen hatten, als unum- 
gänglich nothwendiger Grundlage für die Darstellung im 
grösseren Maassstab. Dem grösseren Maassstab und der 
greifbaren Hervorhebung der runden Körperlich- 
keit jedoch schlossen sie sich wohl an, und so musste die 
ungenügende Formenkenntniss und 'der Mangel sogar des 
XVillensausdruckes, von der neuen Richtung den grössten der 
in ihr liegenden Vortheile zu ziehen, doppelt in die Augen 
fallen. In diesem Sinn ist es zu verstehen, wenn man da- 
mals sagte, sie stünden in schöner Zeichnungsart zurück. Das 
Wort "Zeichnen" hatte damals einen Sinn, und man verstand
        

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