Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844439
Führung der Arbeit an 
der 
Knnstwerkexx 
alten 
Schulen. 
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mittel für das Forinendetail  aufgefasst wurde, hat es überall 
 Nutzen gestiftet, auch noch bei den späten 
Naturalisten, wie Caravaggio ä läibera, obwohl dieselben 
es als (Äolorit in viel zu excentrischer Weise behandelten. Es 
basirte in der That zunächst auf naturalistischen Absichten 
des Fornienstiidiuins. 
Durch die Lenkung des Interesses auf das Einzelne so- 
wohl, als durch den Umstand, dass das Clairobscur das Licht 
geschlossener Raume bedeutet, ist sein Element eigentlich 
nicht (lasjenige ausgedehnter monumentaler Malereien. Dies 
hinderte nicht, dass man es dennoch in dieselben einführte. 
Wo- dieser Versuch auf Frescomalerei beschränkt blieb, ist er 
meist gelungen, denn den hellen Tönen des Affresco sind die 
itussersten Tiefen des Clairobscurs nicht zugänglich. Andrer- 
seits machte das grosse lformat der Bilder und Figuren eine 
Milderung der Schönfarbigkeit nothwendig. Wo man aber 
grössere Flächen in Voller Ausnützung der erreichbaren Kraft 
der Oelfarbe mit clairobscuren Malereien bedeckte, that man 
(Sebastian del Piombo, Tintoretto, die späteren Carac- 
cesken und Naturalisten) entschieden einen Missgriff. In so 
grosser Ausdehnung voll ausgeloeutet, wird die clairobscure 
Weise zu düster, zu farbenarm und schwer. Die besten Maler 
des Cinquccento haben sie auch in grossen Oelbildern und 
selbst in solchen inassigen Umfangs nicht bis zur aussersten 
'l.'iefe getrieben, sondern nur zur Milderung der farbenschönen 
Art benützt. So Rafael, (Idrreggio, die besten Vene- 
tianer. 
Ein eigenthümliches Element aber ist das Clairobscur, als 
(lolorit angesehen, für die Staffelcimalerei geworden, welche 
aus der Nahe zu betrachten ist, für das Portrait, für die Einzel- 
tigur und für das Interieur. Hier liegt seine höchste und 
reizendste Entwickelung als Colorit. Es darf sich nur nie- 
mals von guter Bbrmengebung trennen. Wo der coloristische 
Zweck den Maler allzusehr beherrscht, wird es leicht gefahr- 
lich, denn es giebt Gelegenheit, N achlässigkeiten zu verstecken, 
und dies war der nicht sehr ehrenvolle Grund, aus dem so 
viele Decadenzniztlei" seine Weise bevorzugten. Hat ja doch 
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