Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844383
222 
Anhang. 
dem 
colo- 
Lionardds gründliche Art tritt sogleich schon in 
Theil seiner Aufzeichnungän hervor, die sich auf helle 
ristische Anschauungsweise beziehen. 
Wir ersehen aus diesem Theil mit Xlergnügen, dass zu 
jener Zeit der Sonnenschein schon gerade so gut, wie heute, 
sein buntes Farbenspiel über die Landschaft ausgoss, und 
auch, dass Lionardo dasselbe mit Ergötzen betrachtete. Ein- 
fach und fasslich erklärt er die Wirkung gefärbter Licht- 
strahlen und farbiger Reflexe auf verwandte und einander 
entgegengesetzte F arbenrichtungen. Sein Experiment mit den 
vorgehaltenen farbigen Gläsern enthält zugleich (er beobachtet 
nie ohne Bezug auf die Kunst) die einfachste Anweisung 
für die Technik der Farbenmischung durch Uebergehung. 
Aber trotz seiner Sonnenscheinstudien sagt er, für die male- 
rische Darstellung sei das gedeckte Hirnmelslicht vorzuziehen, 
weil esdie Formen nicht verwirre. 
Dann ist er einsichtig um das Sichabsetzen der Farben 
vom Hintergrund bemüht, der Capitel über die „(3an1pit' sind 
zahlreiche. Er studirt, welche Farben zumeist unter dem 
Einfluss der Luftperspective verlieren. Er beobachtet, dass 
unter diesem Einfluss die kleinen Lichter und Schatten ver- 
schwinden und sich zum Mittelton zusammenziehen. Breite 
Wirkung, vaghezza, liebt er, und ordnet helle, verwandte 
Farben zusammen. Wohin er das Auge des Beschauers lenken 
will, da sammelt er die Hauptgegensatze. Ja, zum Nutzen 
der Schönfarbigkeit macht er sich klar, welche Pigmente ihre 
Schönheit im Licht, welche dieselbe im Mittelton und welche 
sie im Schatten zeigen. 
Dies Alles mochte nun sein, so lange er über die Dar- 
stellung ligurenreicher Historien im Style der damaligen monu- 
mentalen Malerei nachdachte. Aber bald wird ein anderes 
Interesse wach. Er studirt das Formendetail, er betrachtet 
die Form und ihre Theile von allen Seiten, er misst sie aus 
und bewegt sie. Das hier erworbene Wissen drängt zur Be- 
thatigung im Bilde. Der Maassstab der Einzeliigur vergrössert 
sich, weil die Theile eingehender gezeigt werden sollen. An
        

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