Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844345
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Anhang. 
Vervollkommnung der Darstellung zu thun, dass sie glaubten, 
den ersten Anspruch auf ihren Dank und auf ihre Verehrung 
hatten diejenigen, Welche den Kreis der technischen Mittel 
erweitert hatten. Daneben galten die Werke derer, welche 
es auf einer neuen Bahn, auch ohne dieselbe zuerst betreten 
zu haben, zu hoher Vollendung gebracht, ebensowohl als be- 
herzigenswerthe Lehren, denn ein für allemal, in der bilden- 
den Kunst giebt es ohne Praxis keine Theorie, es wird keine 
solche recht verstanden, ohne dass das bethatigende Kunst- 
werk dem Auge ihren Sinn erschliesst. 
Das ist aber doch wohl einleuchtend, dass, da der Fort- 
schritt einmal auf dem gesunden Boden der Darstellung vor 
sich ging, die Neuerfinder stets auch den Besseren ihrer Zeit 
an Können mindestens gleich oder nahe stehen, häufig sogar, 
je nach der Importanz ihrer Neuerung, ihnen voraus sein 
mussten; denn in technischen Dingen fühlt sich nur der zum 
Weitergeben getrieben, dem das Bekannte nicht mehr schwierig 
ist, und Weiter zu bilden vermag nur, wer das Bestehende 
beherrscht. S0 war denn auch die ganze Reihe der Förderer 
technischer Ausdrucksmittel thatsachlich eine Reihe von her- 
vorragenden Meistern und Denkern zugleich. Giotto, 
Fiesole und Masaccio, Uccello, v. Eyck, Signorelli 
und Michel Angelo, Rafael und Dürer, und wie ihre 
glänzenden Namen alle heissen mögen, sie waren alle Neuerer 
aus dem einfachen Grund, Weil ihre hohe künstlerische Aus- 
bildung ihnen die vorhandenen Schranken fühlbar machte und 
sie trieb und befähigte, so intensiv über die Kunst Weiter zu 
denken, dass sie derselben neue Darstellungsmittel fanden. 
Und weil Lio n ardo unter Allen diesen als einer der grössten 
und fertigsten Meister hervorragte, desshalb hat er sich ge- 
trieben gefühlt, vielseitiger und zusammenhängender über die 
Kunst nachzudenken, als irgend Einer vor oder nach ihm, 
nicht aber, weil er, wie die epigone Doctrin versichert, ein 
Gelehrter oder gar ein Grübler gewesen Ware. Dass er über 
die Kunst nachdachte, kann ihm nun allerdings nicht zum 
besonderen Verdienst gemacht werden. In einem grossen 
Theil seiner Gedanken spinnt er nur weiter, was seine Zeit-
        

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