Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844292
Schulen. 
Kunstwerken der alten 
Führung der Arbeit an 
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Wer wäre hiezu competenter, als ein grosser Meister selbst, 
der auf das Treiben seiner Zeit Einfluss gehabt hat, wie 
Wenige, und der uns die Triebfedern seiner Thatigkeit und 
seine Arbeitsmethode in seinen hinterlassenen Tagebüchern 
mit klaren Worten geschildert hat.  
ln älterer und neuerer Zeit hat man den Lionardo 
einen Grübler 1) genannt, Weil er viel über die Kunst nach- 
dachte, und desshalb seiner Werke Wenige sind. Man be- 
dachte dabei nicht einmal, dass diese Werke niemals über- 
troffene Typen der Vollendung sind, und dass es doch wohl 
einer ganz enormen und rasch entschlossenen Thatigkeit be- 
durft haben müsse, um zum Schaffen solcher Typen durch- 
zudringen. Es giebt nur noch einen Künstler, der in Vollen- 
dung der Werke der griechischen Antike, in deren Leistungen 
wir doch Alle das höchste bis jetzt erreichte Ziel mensch- 
licher Kunstthätigkeit erblicken, so nahe steht, als Lion ardo, 
Rafael nämlich, sonst aber Keinen. Dazu kommt, dass in 
den Werken des Lionardo weit über die zeitgenössischen 
Bestrebungen sich hervorhebende Neuerungen auf die Füsse 
gestellt sind; nicht etwa Neuerungen, welche, aus dem per- 
sönlichen Talent und aus dessen Specialität mühelos hervor- 
gehend, des Künstlers „Originalität" bethatigen, sondern Wohl- 
begründete grosse Theorien, die der Richtung der Zeit die 
gesuchte Bahn wiesen. Welche Energie und Raschheit des 
Geistes setzt es nun voraus, Umstürzer des Alten und Er- 
bauer neuer Fundamente zugleich zu sein, vielfache, gross- 
artige und schwierige Erfindungen nicht nur zu machen, son- 
dern in ihrer Bethätigung auch sogleich das niemals Ueber- 
troffene, ja das von der Mehrzahl nie Erreichte zu leisten. 
lst denn überhaupt tiefes Nachdenken der ausübenden 
Kunst so hemmend? Wohl möchte diese Frage bejaht Wer- 
den müssen, wenn unter Tiefe des Denkens einseitig jene 
1) Und doch sind seine Grübeleien dazu angethan, zu leisten, was 
so vielen kritischen Versuchen Spätgeborener nicht gelang, Sie sind ver- 
mögend, in die Schulwände unsrer heutigen Kunstwissenschaft ein unver- 
hofftes Loch zu grübeln, durch welches dann das ersehnte Licht eindrin- 
gen kann. 
        

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