Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844205
204 
Anhang. 
unterschieden! Wie sind die Stoffe der Prachtgewätnder ge- 
malt, Wie die Metalle und edlen Steine! YVie ist das Fleisch 
der Wange und wie sind die Lippen so weich, gegen die über 
den Knochen gespannte Haut der Stirn! Wie schimmert das 
Auge in feuchtem Glanz, und wie weht die Luft durch die 
bewegten Haarlocken! 
Aber auch die Vollendung des Contours und der Form 
in grösserem Sinn eilte mit Riesenschritten jener Idee der Voll- 
konnnenheit entgegen, Welche ihr die grossen Italiener bald 
geben sollten. Auf den Portraits dieser Zeit, vor Allem auf 
deutschen, finden wir das Menschenantlitz und die Hände 
schon häufig mit sublimer Formenvollendung gemalt. Der 
Flächenbau ist meisterhaft verstanden und charakterisirt, mit 
der Deutlichkeit des Bildhauers; die Ganzheit der Erschei- 
nung aber tritt niemals wieder vollendeter hervor, als in diesen 
farben- und fornienglänzenden Leistungen, die wohl auch einen 
Phidias, wenn sie ihm zu Gesicht gekommen wären, mit 
Bewunderung erfüllt hatten. 
Was nun das Colorit als Farbe angeht, so haben jene 
Maler Wohl loewiesen, dass sie es vortrefflich verstanden, 
dunkles (llairobscur zu behandeln. In den (lunklen Hinter- 
gründen ihrer Interieurs sind Form und Farbe bis in die 
letzte, man möchte sagen, raffinirteste Feinheit mit zuweilen 
unbegreiflicher Meisterschaft deutlich erhalten. Niemand von 
den Spateren, auch Correggio nicht, hat dieses in so hoher 
und weitgetriebener Vollendung mehr geleistet. Aber eigent- 
liche Olairobscure haben sie dennoch kaum gemalt. Auf jenen 
dunklen, aber farbenklaren Hintergründen hebt sich die be- 
leuchtete Gestalt schönfarbig hervor. Noch war die Detail- 
form der menschlichen Gliedmaassen nicht das vorherrschend 
Interessirende. Auf den meist figurenreichen Oompositionen 
galt es, den nicht in grossem Maassstab ausgeführten Einzel- 
'gestalten durch breite und entschiedene Localfarbengebung 
ihre Totalitat, ihre Formenzusaminengehörigkeit zu erhalten. 
Durch dieses helle Colorit ist das Problem in der That 
gelöst, auch Bildern kleinen Maassstabes insofern ein n1onu_ 
tales Gepräge zu verleihen, als man auf weite Plntfernungen
        

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