Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844155
Fiih run g der 
Arbeit an 
der alten 
Kunstwerken 
Schulen. 
1 99 
zulocken, vielleicht doch einige Schärfe gewonnen hat. Nie- 
mand aber würde freudiger, als ich selbst, Belehrung durch 
scharfer Sehende loegrüssen. Denn das ist gewiss, Ware. erst 
das Interesse der Befahigten lebhaft auf den hier in l? rage 
stehenden (Älegenstantl gerichtet, so würde das der so tief  
sunkenen Kunst unserer Tage von grossem Nutzen sein. 
Auch unsere Kunstphilologen dürfen versichert sein, dass 
der sachliche Werth ihrer historischen und ästhetischen Lei- 
stungen gewinnen wurde, wenn sie sich mehr um dieses bis- 
her vernachläissigte Feld bemühten. lst es doch schon aus 
dem Grund, dass sie fast allerwarts die Hüter unserer auf- 
gesammelten Kunstschatze sind, nicht angemessen, dass ihrer 
Kennerschaft so unerlässliche Kenntnisse nicht reichlich zu 
Gebote stehen. 
YVas die Kunst guter Epochen auszeichnet, ist, dass die 
Künstler der Technik kundige Äianner waren und ilicht, wie 
heute, Dilettanten voll wechselvoller Tendenzen oder ahnungs- 
voller Stimmungen. Nicht aus der fübrigens auch gar nicht 
einmal positivfasslichen  Absicht des geistigen Inhalts der 
Bilder kann der Alten Art festgestellt werden, sondern zu- 
meist in der Führung der technischen Arbeit spricht der 
Meister sein eigentliches Wissen, Wollen und Vermögen aus. 
Die Eigenthümlichkeit und die Sicherheit, Welche das Indi- 
viduum und die Schule hie r entwickeln, ahmt ihnen auch 
der geschickteste Copist niemals mit auch nur entfernter Aehn- 
lichkeit nach. Ueber alles weniger ltlassbare kann er uns 
leichter tauschen. 
 Was nun den Betrieb des Studiums alter Oelfarbentechnik 
einlangt, so ist für dasselbe nöthig, dass der Studirentle sich 
selbst, Pinsel und Palette in der Hand, auf's Ausführlichste 
mit den Einzelcharzrkteren und deren Verbindungen bekannt 
mache. 
Als Objecte des Studiums sind vorzüglich unvollendete 
oder hatlbzerstijrte und von Retouchen möglichst freie alte 
läiltler zu wählen, oder auch nachlässig geführte. Einelüind- 
grube sind die Werke der späteren Niederländer, weil diese 
die guten alten Prineipien lange bewahrt, oft aber in etwas
        

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