Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844118
Der 
Boden 
welche: 
rationelle 
w u rzelt. 
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erkennen sie einst an, wo alle einzelnen vollkommen be- 
herrschten Darstellungsmittel so zum Ganzen versammelt sind, 
dass jedes seinen Zweck zwar höchst vollkommen erfüllt, aber 
keines Vorherrseht; ja, womöglich, falle keines als Mittel in 
die Augen. 
90 darf denn auch das Colorit am gediegenen Kunstwerk 
nicht, als Selbständiges getrennt, in die Augen fallen. Es ist 
verworrene Denkweise, für das Colorit eine über die Formen- 
gebung erhabene Stellung zu beanspruchen und sich dabei 
auf die Meister der Decadenz zu berufen. Nur Solche, die 
selbst. schlechte Zeichner sind, nennen vorzüglich diejenigen 
unter den Alten gute (bloristen, bei welchen die Vorzüge des 
(kilorits gegen die Mangelhaftigkeit der Form in hellem Lichte 
stehen. 
Noch unüberlegter ist es, von dem Oolorit vollkommen 
selbständige poetische Wirkungen zu erwarten. Sicherlich sind 
Schönheit des Tons und schöne Farbenzusammenstellungen 
vorzügliche Kunstmittel. Der Farbensinn stellt für seine Be- 
friedigung gewiss besondere Gesetze auf, so veränderlich und 
schwer fassbar sie auch sein mögen. Wohl mag sogar durch 
das Farbensehen in der Seele ein eigenes Feld poetischer Er- 
regungsfähigkrwit berührt werden können, aber gewiss kein so 
selbständiges, dass über seiner Befriedigung irgend eine andere 
Anforderung an das Kunstwerk zurückgestellt werden dürfte. 
Selbst das Betrachten des Sonnenspectrums, dieser edelsten 
Farbenharinonie, würde uns keine halbe Stunde lang be- 
schäftigen, wenn der geschaute Farbenreiz nicht durch andere 
(iedankenverknüpfungen höheren Sinn gewönne. Wie würden 
uns Prachträiume ermüden, die den Blick durch nichts Anderes, 
als durch ihre Farbenschönheit in Anspruch nähmen! Weit 
eher ginge es noch allenfalls an, der Form eine selbständige 
Stellung' einzuräumen. Denn das Colorit, wenn es befriedigen 
soll, ist selbst in rein decorativen Kunstprodtictionen, in 
'l'eppi(rhmustern und (lergleichen, immer an die Form gebun- 
den, auch in Fällen also, wo die Form wenig sinnvolle Be- 
deutung' für uns hat. Sitzt das Colorit, an sich noch so schön-
        

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