Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844096
III. 
Der 
Boden, 
welchem 
rationelle 
Farbentechnik wurzelt. 
193 
hervorragendster Kunstvölker gleich auf den ersten Blick so 
beglückend umfangt, die die Sinne schärft und ihr Begehren 
veredelt und den Verstand vor der Willkür und Lächerlich- 
keit abstracter Ausschweifungen des Gedankenfluges sicher 
stellt, deren Pflege durch wahrhaft ernste Kunst unserm 
Zeitalter daher nicht eindringlich genug als Correctiv seiner 
einseitigen Bestrebungen anempfohlen werden kann. 
Wer sich durch glänzende Einzelvorzüge rationeller Tech- 
nik zur theilweisen Befolgung ihrer Lehre bestimmen liesse, 
würde fehlgehen. In der Kunst, wenn sie mit jener Ruhe, 
Ausdauer und Cfründlichkeit betrieben Wird, welche Lionardo 
als erstes Kennzeichen des künstlerischen Charakters und 
Talentes bezeichnet, führt alles Einzelne in die Harmonie des 
Zusammenhanges. Das Nachdenken wird fortwährend auf- 
recht erhalten und geschärft, und unter der Prüfung des Er- 
soniienen an der practisehen Leistung bildet sich ein Schatz 
feststehender, verwendbarer Erfahrungen, „die Theorie wird 
die Lenkerin der Praxis". Recht entgegengesetzt der ohn- 
mächtigen Geistreichheit und Originalitätssucht moderner 
Genialität, die thöricht mit aller Tradition lorach, wird die 
sich immer mehr auf Concretes, für die Kunst vortheilhziftest 
Verwendbares des Naturstudiums richtende und in stets weiter 
und weiter getriebener Vollendung des Gewollten erstarkende 
Kraft des Künstlers nicht nur den Schatz eigner Erfahrungen 
sorgsam vermehren, sondern auch dankbar zum Gegenstand 
des Lernens machen, was vordem eine Reihe Höchstbegabter 
crprobtca. Die möglichst vervollkonnnnete, wenn auch nie zu 
vollendende Erziehung des eignen Kraftmaasses wird, mögen 
die Schranken seiner Bethatigung sich auch mehr und mehr 
zusammenziehen, genügende und gesunde, des Gedeihens sich 
freuende Beschäftigung geben, und der Blick wird sich mit 
Gleichgültigkeit von der geistreichen (lberflacwhlichkeit vielfacher 
und ausgedehnter Probleme aibwenrlen. 
Es giebt heutzutage eine Partei, welche, dem gesunden 
Menschenverstande zuwider, die Naturahnlichkeit für den vor- 
nehmsten Zweck des Kunstwerks ausgiebt. Diese Behauptung 
bleibt aber nur eine abstracte, auf den Gedankeninhalt be- 
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Ludwi 
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Malerei. 
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III. 
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