Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844087
192 
Zweiter 
Abschnitt. 
der Wille des Bllittheilenden, 
Lmd durch das I{e1'a11sfa1]e11 
so wird (lvrScrhaliende unwillig. 
(les Einzelnen wird ilnn die Un- 
zulängliehkeit und Armut-h des Ganzen augenfällig.  
Mit dieser Klarheit der Beobachtung an sich ist jedoch 
der iXufg-abe des Künstlers nur erst zur Hälfte (lenüge geleistet. 
Das Beobachtete soll in einer Weise ausgesprochen werden, 
die in ihren materiellen Bedingungen grundverscliieden von 
der Materie des Beobaehtungsobjectes ist. XVürde durch [Tr- 
tlieilslosigkeit oder Nachlässigkeit des Werkfülirers die Sub- 
jeetivität der Darstellungsmittel neben dem Beobachteten in 
die Ueberhand kommen, so wäre es uin die Harmonie des 
Ausdrucks selbstverstänrlliclierweise gesehehen. S0 hat denn 
der Darstellende die ilusdrucksmittel mit dem Sinne seiner 
Beobachtung zu erfüllen, d. h. er hat ihnen gleichfalls (lurch 
Verwandtschaft und (iegensaitz einander stützende und hervor- 
hebende Verhältnisse abzugewinnen, die in ebenso richtiger 
und knapper YVeise für einander sprechen, als die in der Be- 
obachtung zusainmengeorflneten Proportionen, und folglich 
deren geeignete Ausdrucksmittel werden können. Andrerseits 
aber soll ..er Solches, wofür seinen Darstellungsmitteln ein für 
allemal der Ausdruck versagt bleibt, überhaupt nicht (larstellen 
wollen. Minder exactes V erfahren hat auf das Entgegenkommen 
des Schauenden keinen Anspruch, und am liebsten werden 
wir uns dem Willen des Mittheilcnrlei] da fügen, wo wir die 
Kraftstellr: der "Mittel, die höchste denselben innewohnemrle 
Schönheit, zur bezeichnenden Darstellung harmonisch ge- 
rundeter Beobachtung verwendet erblicken. 
Augenscheinlich kann sich diese rXrt der Beobachtung 
weder an Vielseitigkeit der Standpuncte mit der des Poeten, 
noch-an. Tiefe ällüStfälClßf Begriffsergriindiing mit der des Cle- 
lchrten messen. Aber ganz gewiss wird in höherem Maasse, 
als von jenen, etwas Andres von ihr verlangt und geleistet, 
jenes unausgesctzte und unerbittliche, Suchen nach dem 
Einklang zwischen Wollen und Können, nach dem Gleichge- 
wicht abstracten und anschaulichen Denkens, auf welchem 
die (iesundheiti des Nlenschenverstandes beruht mit ihrer 
krystztllhellen Durchsichtigkeit, die uns an allen Leistungen
        

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