Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1844047
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Zweiter Abschnitt. 
YVarnung. 
Moderne benützen raul1e(irii11de desshalb so gerne, weil 
sie bequemer und nach Herzenslust ITarbe darauf kleiben 
können1). D218 ist Missbrauch. Die  malten auch 
auf ihre ruuhfadige Leiuxlvzuid mit (iGiiCüiQlD Farbenziuftrzxg. 
Im Nassen 
und auf's 
Trockne 
malen. 
Einige nützliche Fertigkeiten. 
In der mangelhaften künstlerischen Erziehung unsrer T age 
ist auch das Allergewöhnliehste der Handgesehieklielikeit tief 
gesunken. Es ist nichts unleidlieher, als wenn der Wille des 
Malers durch die kleinliehsten Hindernisse gehemmt wird. Iis 
möchte daher noch von Nutzen sein, einiger kleiner erleichtern- 
der lllertigkeiten lilrwiähnung zu thun. 
So lange man mit Deekfarben allein, oder mit Transparent- 
farbe allein malt, kann es von Vortheil sein, die Malerei 
nass zu halten, um die Töne besser in einander zu vermalen. 
Uodellirt man aber mit halber und ganzer Deckfarbe auf- 
höhend auf einer Unterlage, so sitze diese letztere gut ge- 
troeknett fest. Noch Viel notlnveniliger ist das Festsitzen der 
Unterlage, wenn man mit Transpareiitfarbe die DOCkfRTbG-ll- 
untermoclellirung lasirt. Wenn in die Transparentfztrbe Deck- 
farbe sich mengt, ist es mit der klaren Schönheit vorüber. 
wln eine klare Schattenfarbe darf kein Weiss kommen)" 
Man halt die Malerei auf lange Zeit nass mit der dazu 
geeigneten Sorte von Petroleum und in gewöhnlicher Zimmer- 
warme. So kann man ruhig; Tage lang nass in nass an 
 1) In einer berühmten deutschen Kunststadt wohnte ich der Anfertigung 
eines Leinwandgrundes bei, der für einen grossen Maler bestimmt war. Der 
Anfertiger opferte dem Genius wahre Hekatomben von Oelfarbe. Ich habe 
niemals wieder so viel Oelfarbe auf einem Fleck vereinigt gesehen. Das 
frische lmpastu ward mit eigenthürxilichen Brettern belegt, denen ähnlich, 
welche die Maurer zur (äliittung der Tünche gebrauchen. Diese Bretter 
wurden zwei-, dreimal im frischen Brei hin und her gedreht und dann ur- 
plötzlich in die Höhe gerissen; der Farbenbrei gab hierbei einen lustig 
schmatzenden Ton von sich. Es waren unter der Operation gewisse XVirbel 
entstanden, welche das ewige Einerlei der Obertläche ziufs Unterhaltcndste 
unter-brachen" und besonders für Fleisch, Augen und dergleichen zarter Dinge 
ein herrlich rustikes Llnterlager zu werden versprachen.
        

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