Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Grundsätze der Ölmalerei und das Verfahren der classischen Meister
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1841768
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1843906
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Zweiter Abschnitt. 
i-nlläjßjieoä Schliesslieh setzen wir aber auch noch voraus, dass der 
111;{e1i' Künstler wirklich über den Sinn der verschiedenen Farben- 
Chamlmmß- charaktere Herr sei und sie an ihren Platz zu stellen wisse. 
Denn gerade verfeinerte Mittel des Ausdrucks bedürfen dop- 
pelter Aufmerksamkeit. Wohl beruhen "sie auf feinerer Beob- 
achtung, und je feinere Beobachtungen der Künstler dem 
Beschauer mittheilt, desto mehr wird er den bereitwillig Ver- 
stehenden fesseln und desto mehr ihn vergessen machen, was 
seinem Werk von der Vielseitigkeit des V orbildes noch fehlt. 
Er darf aber nicht aus dem Auge lassen, dass er nur wahr- 
genommene Verhältnisse der Natur in dem verkleinerten Maass- 
stab seiner Mittel wiedergiebt. Dieser verkleinerte Maassstab 
wird um so delicater, in je feinere und reichhaltigere Propor- 
tionen er zerfallt, und mahnt zur Vorsicht. Deckfarbe, an 
einer Stelle nur um ein Geringes höher aufgetragen, bedeutet 
bei uns schon etwas Anderes, als die an anderer Stelle nur 
wenig dünner geschichtete. Und fängt das System des Ganzen 
an zu schwanken, so ist es mit der Illusion, die nur auf der 
Harmonie des Ganzen beruht, vorüber. Die Unzulänglichkeit 
der Beobachtung gegen das Vorbild fallt dann erst störend 
auf, sowie die Form der Mittheilung verworren wird. Das 
Missverhältniss zwischen der angestellten Beobachtung und 
dem Vermögen, sie auszusprechen, wird uns nicht etwa nach- 
gesehen wegen der Schwierigkeit des Vermögens. Weit eher 
begnügt sich das Urtheil mit minder eingehend Beobachtetem, 
das zweckentsprechend ausgedrückt ist. Dem Vorwurf der 
Verworrcnheit muss der Maler eben so gut zu entgehen suchen, 
als dem der Trägheit und Unsauberkeit, denn diese drei Uebel 
haben für sein Werk nahe verwandte üble Folgen. 
Fäällräggtifßr Wenn man nun Alles dieses vom Künstler voraussetzt 
schemhbßit. und annimmt, dass ihm aus keinerlei Verstoss mehr gegen 
diese Ansprüche eine selbstversehuldete Störung der Arbeit 
erwachse, so kann er sich doch auch noch durch eine kluge 
und überlegte ldlührting seine eoloristische Arbeit sehr er- 
leichtem. Das Oelfarbenmaterial erlaubt eine öftere Unter- 
brechung der-Arbeit, denn es lässt sich ebensowohl auf längere
        

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